Vita - Die Geschichte der Sippe
Home
Die Sippe
Bildergalerien
Das Lager
Mittelaltermaerkte
Aktivitaeten / Presse
Die Wikinger
Links
Haendlerverzeichnis
Mitgliederbereich
Awards
Forum
Gaestebuch
Impressum
Sitemap

 

Die Morgensonne, die nichts Gutes vorhersagen würde, rötete die Gesichter der Männer. Ihre Schilde, Schwerter, Äxte und Speere schimmerten golden im Sonnenlicht. Arne Arvidsson blickte die Mauern von Worms empor. Er spürte, dass dies seine letzte Schlacht sein würde. Er dachte an seine Heimat, Island, an sein Heim und seine Frau Tarjen die er zurückließ. Auch sie spürte, dass Unheil heraufziehen, hatte ihn aber dennoch gehen lassen. Arne war ein stattlicher Mann, mit einem, für die Wikinger dieser Zeit hohen Alters von 45 Jahren. Vor dem Beginn der Schlacht herrschte in den Reihen der Männer atemlose Stille. Arne Arvidsson blickte über die Reihen seiner Männer, die ihm furchtlos noch in weitere Schlachten folgen würden.  Arne war ein strenger aber gerechter Jarl und so hat er auch seinen Sohn auf dieses Amt vorbereitet.

Sein Sohn Arnulf Arnesson stand dicht neben ihm. Ein hoch gewachsener Mann mit langen Haaren. Arnulf war immer ein wissbegieriger Schüler seines Vaters gewesen, im Umgang mit Waffen, aber auch in Diplomatie und Kriegsführung. Arne Arvidssons Herz erfüllte sich mit warmer Zuneigung und großem Stolz auf seinen Sohn. Er wusste, dass wenn diese Schlacht ihn nach Walhalla bringen würde, er sich auf ihn verlassen konnte und seine Clan einen guten Führer haben würde.

Neben seinem Sohn standen zwei Brüder, Berengar Bjornsson und Hakon Bjornsson. Beide waren von guter Statur und Wesen, die Haare rot wie die Morgensonne.

Der ältere, Berengar war kräftiger, dafür Hakon größer und so bildeten sie eine fast unüberwindbare Mauer für alle die sich ihnen in den Weg stellten. Schon früh schulten sich die Beiden im Kampfe. Vor allem für den Älteren war es schon seit Kindestagen eine Freude Arnulf zur Seite zu stehen und ihm zu helfen wo er nur konnte. Für ihn gab es kein Zweifel, dass er nicht von der Seite des Jarlssohnes weichen würde. Hakon hat diese Einstellung schon früh von seinem Bruder übernommen. Berengar war für Hakon immer ein Vorbild in Kampfesdingen gewesen. Doch nicht nur der Kampf und Arnulf verband die beiden Brüder. Sie überwanden zusammen so manche Gefahren und der eine war immer die Rückendeckung für den anderen.

Er war froh darüber, dass die Geschwister mit in den Kampf zogen, da er wusste, dass sie an der Seite seines Sohnes tapfer ausharren würden und somit den anderen Männern noch mehr Mut machen konnten.

Während Arne Arvidsson noch in Gedanken versunken war, spürte er, dass es nun Zeit war, mit dem Angriff zu beginnen. Die Männer wurden unruhig. Sie hatten den langen ermüdenden Weg von Island bis hier her hinter sich und nun wollten sie Arbeit für ihre Waffen. Arne Arvidsson, stieß in das Horn und seine letzte Schlacht begann.

 

Arnulf Arnesson, schaute besorgt zu seinem Vater hinüber. Schon in Island war er ungewohnt still gewesen und unterrichtete ihn fast ohne Pause. Auch er spürte, dass diese Schlacht ihrer aller Schicksal verändern würde, doch konnte er die Zeichen der Runen noch nicht so klar deuten, wie seine Vater oder die in der Heimat zurückgebliebene Mutter.

Doch alle Überlegungen  wurden in dem Augenblick hinfällig als sein Vater der Jarl in sein Horn stieß und alle Truppen auf Worms zustürmten. Arnulf und sein Vater kämpften mit den Gebrüdern Bjornsson in der ersten Reihe, wie es die alten Gebräuche erforderten. Die Schlacht wütete unerbittlich und viele Männer fanden den Tod. Für Arnulf war es nicht die erste Schlacht, doch als sein Vater von Pfeilen getroffen zu Boden sank, erstarrte er vor Grauen. Berengar Bjornsson, der ihm am nächsten stand rettete ihn mit einem gekonnten Schwerthieb, vor der feindlichen Klinge, doch hatte Arnulf keine Augen dafür. Als sich seine Erstarrung löste, kämpfte er sich zu seinem Vater durch, doch konnte er ihm nur noch die Augen schließen.

Arnulf Arnesson war von nun an der Jarl, doch schien die Schlacht zu deuten, dass er diesen Titel noch heute verlieren würde. Er rief noch einmal seine Getreuen zusammen um einen letzten verzweifelten Angriff zu beginnen. Schon nach dem ersten neuerlichen Vorstoß musste Arnulf erkennen, dass es keinen Sieg geben konnte. Er nahm das Horn seines Vaters und blies zum Rückzug. Er wollte nicht noch mehr tapfere Krieger fallen sehen. Arnulf rief ein paar Krieger zu sich und befahl ihnen die Leiche seines Vaters zu bergen und außer Reichweite zu bringen .Die Männer flüchteten sich in den nahe gelegenen Wald. Zu spät erkannten sie, dass dort ein Hinterhalt auf sie lauerte. Sie wehrten sich mit verzweifelten Kräften, doch konnten nur wenige entkommen. Die Gefangenen wurden in die Kerker von Worms gebracht. Arnulf Arnesson, Berengar Bjornsson und Hakon Bjornsson bekamen eine gemeinsame Zelle zugewiesen.

Doch bevor diese Geschichte weitererzählt werden kann, muss eine andere beginnen.

 

Sie beginnt in einem kleinen Dorf in Island. Dort lebten Marada, Ferun und Solveig. Die jungen Frauen träumten schon seit frühester Kindheit davon fort zugehen um die Welt zu erkunden, Abenteuer zu bestehen und sich einen Namen zu machen. Sie wollten nicht nur irgendwann die Frau von irgendeinem Mann sein, sondern sich selbst beweisen. Die drei Mädchen fühlten, dass es ihnen nicht vorherbestimmt war, in Ruhe zu leben bis sie alt und grau waren. Sie wollten kämpfen, um irgendwann von den Walküren nach Folkwang  gebracht zu werden. Dies erfüllte ihre Mütter mit großer Sorge und ihre Väter mit Stolz.

An einem herrlichen Sommerabend, als die Sonne glutrot unterging, saßen sie auf einem Hügel und sahen in die Ferne. Ohne Absprache fasste jede von ihnen ihren Entschluss. Sie trennten sich, gingen nach Hause und packten das Notwendigste. Zur Verteidigung nahm Marada ihren Kampfstab und Solveig ihre Sachse und eine Axt mit. Schon früh erkannten ihre Eltern, dass diese Mädchen nicht zur Feldarbeit und Heimigkeit geboren wurden. Ihre Mütter versuchten jedoch immer wieder diese ihnen nahe zu bringen. Ihre Väter jedoch erkannten das Talent ihrer Kinder und unterrichteten sie auch im Kampfe.

Ferun zog es vor ohne Waffen zu wandern. In diesem Punkt unterschied sie sich von ihren Freundinnen. Sie wusste, dass sie durch die Gesellschaft ihrer Freundinnen genug beschützt war. Ferun konnte sich auch ohne eigene Waffen eine gefährliche Gegnerin sein, wenn man sie nur genug reizte. Ihren Freundinnen nachgebend, nahm sie jedoch schließlich einen Bogen mit, sodass sie den Beiden im Notfall den Rücken decken konnte. So versorgt trafen sie sich wieder auf dem Hügel, blickten noch einmal zurück auf das Dorf das ihre Heimat, aber nicht ihre Zukunft sein würde. Dann gingen sie gemeinsam los, um eine Welt zu entdecken, die so vieles mehr zu bieten hat, als das tägliche Einerlei in einem kleinen Dorf. Doch in dieser wundervollen Welt lauern auch Gefahren. Die drei jungen Frauen gingen einfach los, ohne auf den Weg zu achten. Durch diese Unbesorgtheit, bemerkten sie nicht, dass sie verfolgt wurden.  Ihr Verfolger war Baldwin Haredsson, Solveigs jüngerer Bruder. Schon seit geraumer Zeit bemerkte er eine Veränderung bei seiner Schwester. Obwohl sie schon des Öfteren davon sprach fort zu gehen und sehnsüchtig nach den Sternen blickte, wurde ihm bewusst, dass diese Sehnsucht in ihr immer stärker anwuchs und das der Zeitpunkt ihres Gehens immer näher rückte. Als Baldwin sich dessen bewusst wurde, traf auch er Vorbereitungen. Seit einigen Monden schon war er immer bereit für einen übereilten Aufbruch. Schon seit jungen Kindesjahren fühlte er sich für seine Schwester verantwortlich und diese Aufgabe nahm er sehr ernst. Baldwin war ein talentierter junger Mann geworden, der sowohl mit dem Schwerte als auch mit anderem Gerät großes Geschick bewies. Wie seine Schwester, spürte auch er, dass dieses Dorf nicht alles in seinem Leben sein konnte. Baldwin wollte die Schlacht erleben und sich als Mann beweisen. Als er sich eines Abends seinen Eltern anvertraute, wuchs der Stolz des Vaters auf seine unerschrockenen Kinder, auch die Mutter konnte sich nicht ganz dem Stolze erwehren, obgleich sie auch voll Sorge war ihre beiden Kinder in die Welt zu entlassen. Baldwin versuchte die Mutter zu beruhigen, indem er dieser erklärte, dass er vorhatte bei der Schwester zu bleiben, um über sie zu wachen. Er war sich bewusst, dass dies im Verborgenen geschehen musste, da Solveig diese Bewachung niemals wissentlich zulassen würde. Schließlich kamen sie am Hafen an. Hier galt die erste Hürde ihrer Reise zu überwinden. Geld genug hatten sie um die Reise zu begehen. Ihre Eltern waren zwar nicht reich, hatten aber schon früh angefangen, für die Kinder zu sparen, um ihnen eine gute Zukunft zu sichern. Doch war es schwer für alleinreisende Frauen einen sicheren Platz auf einem Schiff zu finden, wo nicht allzu viele Fragen gestellt werden würden, um nicht wieder nach Hause gebracht zu werden. Auch wäre es nicht klug gewesen den ärmeren Seeleuten zu bedeuten, dass sie im Besitz von Gold waren.

Doch hatten sie Glück und konnten auf einem Schiff als Küchenmägde anheuern. Wohin die Reise gehen sollte, war für sie nicht von Bedeutung und erfuhren erst später, dass dieses Schiff in Germanien einschiffen würde. Sie hatten schon viel über dieses Land gehört und der Entschluss in das berühmte Worms zu gehen, war schnell gefasst. Baldwin musste sich während der gesamten Reise unter Deck versteckt halten, da er unerkannt bleiben wollte.Im Hafen angekommen suchten sie sich Pferde und ritten aus in dieses fremde Land. Auf ihrer langen Reise versuchten sie sich so viel wie möglich von dem Land einzuprägen, auch lernten die jungen Frauen schnell die Sprache dieses Volkes. Nur zwei Mal mussten sie sich ihrer Haut gegen Strauchdiebe erwehren, die in ihnen leichte Beute sahen. Dieser Irrtum kostete einigen von ihnen das Leben und nicht wenige einen gesunden Arm. Baldwin hielt sich währenddessen in ihrer Nähe, griff aber nicht ein, da er erkannte, dass die Frauen seiner Hilfe noch nicht bedürfen. Endlich standen sie vor den Mauern von Worms. Lange sahen sie zu den Stadtmauern empor, von ihrer Größe beeindruckt. Als sie sich endlich dazu durchringen konnten einzutreten, wurden sie von der noch größeren Pracht der Stadt überwältigt.

Der ursprüngliche Plan der Freundinnen war es, so viele Städte wie möglich zu sehen, doch hatte die lange Fahrt fast ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht. So sahen sie sich gezwungen sich irgendwo zu verdingen. Die Mädchen hielten Augen und Ohren offen und schnell wurde ihnen gewahr, dass das Schloss junge Frauen suchte, die sich auf die isländische Sprache, sowie der Heilkunst verstanden. Gemeinsam gingen sie zu dem Schloss, bewarben sich, wollten aber nur gemeinsam dort bleiben. Da der Stadthalter von den drei jungen, aber weisen und kämpferischen Frauen beeindruckt war, verdingte er sie als Hofdamen in seinem Dienste. Lange Jahre dienten sie den Herrschaften von Worms, während Baldwin sich immer in der Nähe des Schlosses aufhielt und sich als Zimmermann verdingte. Doch die Abenteuerlust schlief nur, sterben konnte sie nicht.

Als der Krieg mit den isländischen Wikingern begann, wollten sie gerne mit ihren Landesgenossen in die Schlacht ziehen, sahen sich aber durch ihr Wort gebunden. Baldwin wollte ebenfalls für Island in die Schlacht ziehen, doch hätte dies zur Folge gehabt, dass er seine Schwester alleine in Worms hätte zurücklassen  müssen. Das konnte er nicht. Auch hatte dieser Krieg zur Folge, dass man sie mit Argusaugen bewachte und ihre Freiheiten drastisch eingeschränkt wurden. Schnell wurde ihnen klar, dass wie auch immer der Krieg ausgehen mag, ihre schönen Tage in Worms gezählt waren. Sie warteten nur auf eine geeignete Gelegenheit. Als die Schlacht am um Worms eine Atempause machte, hörten die jungen Mädchen von den anderen Dienern des Schlosses, dass ein junger Jarl verletzt mit einigen seiner Getreuen in die Verliese von Worms gebracht wurde. Mutig ließen sie alle Vorsicht außer Acht und baten ihren Lehnsherrn, die Pflege der Männer übernehmen zu dürfen. Da dieser momentan andere, vermeintlich dringendere Sorgen hatte, erfüllte er ihnen diese Bitte. So kam es, dass die Geschichte des jungen Jarls und seiner Getreuen, und der Weg der jungen Frauen aus Island sich kreuzten und zu einer gemeinsamen Reise wurde.

 

Als Arnulf aufwachte, konnte er sich kaum mehr an seine Gefangennahme erinnern. Er wusste noch, dass er seine Mannen in ein nahe gelegenes Waldstück führte, um die Überlebenden in Sicherheit zu bringen. Plötzlich flogen Pfeile und doppelt so viele Krieger als seine verbleibenden kamen aus dem Dickicht hervor. Es gab einen kurzen verzweifelten Kampf. Arnulf fasste sich an die Stirn und fühlte Blut. Er hatte sich gewehrt bis zuletzt. Sie wollten den jungen Jarl lebend.

Arnulf fühlte sich von helfenden Händen gestützt und als er sich umsah, gewahrte er Berengar und Hakon Bjornsson.

Als er getroffen zu Boden ging, hatten die Brüder sich um ihn gestellt und ihn mit aller Kraft verteidigt, was auch ihre Wunden bezeugen konnten. Die drei Freunde waren froh, dass sie nicht jeder für sich eingesperrt wurden, sondern wenigstens sich gegenseitig noch hatten. Von Berengar erfuhr Arnulf, dass nicht alle Hoffnung vergebens war, da sich viele der Getreuen tiefer in den Wald flüchten konnten, da die Wormser Schergen es hauptsächlich auf den Jarl und seine getreuesten Gefährten konzentriert hatten. Arnulf blickte sich um und stellte fest, dass Berengar wohl Recht haben musste, da nicht viele der anderen Zellen belegt waren. Als sie so beisammen saßen und über ihre derzeitige Situation beratschlagten, hörten sie, wie jemand die Kerkerräume betrat. Auch verwundete und gefangene Wikinger sind dennoch stolze Wikinger und so halfen die Brüder Bjornsson ihrem Jarl in eine sitzende aber stolze Position und stellten sich neben ihn, auch wenn ihnen dies große Mühe kostete. Sie hatten Soldaten erwartet, die sie zu Verhören oder Schlimmeren führen würden. Umso überraschter waren sie, als drei junge Frauen ihr Verlies betraten. Sie hatten Schüsseln mit Wasser, Verbände, Kräuter und Nahrung mitgebracht.  Solveig und Marada betrachteten die gefangenen Kämpfer. Offensichtlich gefielen sie ihnen. Arnulfs Blick heftete sich an Solveig, die seinem Blick standhielt. Berengar erging es ebenso bei Marada. Umso verwundert waren die drei Männer, als Ferun sie plötzlich in isländischer Sprache mit einem Seitenblick auf ihre beiden Gefährtinnen lächelnd ansprach. Sie fragte die Männer nach ihren Namen und ihrer Herkunft. Nachdem Arnulf die erste Verwunderung überwunden hatte, antwortete er wahrheitsgemäß. Nun begannen die drei Frauen, die Wunden der Krieger zu versorgen. Der Stadthalter übertrug nun den Frauen auf Dauer die Verpflegung und Wundpflege der Krieger. Hierbei achtete Solveig, dass sie Arnulf pflegte, Marada blieb bei Berengar.

Auf dem Siegesbankett bedienten alle Frauen des Schlosses und somit auch Solveig, Marada und Ferun. Es fiel Marada und Solveig schwer aufmerksam zu sein, da sie in Gedanken bei ihren Männern waren. Glücklicherweise war Ferun aufmerksamer und erfuhr so, dass am übernächsten Tag, zur Belustigung des Volkes, die gefangenen Krieger hingerichtet werden sollten. Nach dem Bankett trafen sich die Frauen in ihrem Zimmer und Ferun berichtete aufgeregt die Neuigkeiten. Ihnen wurde klar, dass sie nun schnell handeln müssten.

 

Am folgenden Tag befragten sie beiläufig die Wachen am Tor, nach der Besetzung auf der Wachmauer. Dabei bekamen sie heraus, dass diese nur spärlich, bedingt durch das andauernde Fest, besetzt waren. Dieser Umstand kam ihnen sehr gelegen. Als sie am Abend wieder zu den Gefangenen gebracht wurden, hatten sie unter ihren weiten Kleidern ihre eigenen, aber auch die Waffen, die sie aus der Wachstube besorgt hatten dabei. Sie erklärten den Männern, dass sie heute Nacht mit ihnen aus Worms fliehen wollten, da der Henker schon bereit stehe. Die Männer waren sehr froh darüber und willigten gerne ein, die Frauen mit sich zu nehmen.Spät in der Nacht schlichen sich die Frauen in den Kerker und nahmen der betrunkenen, schlafenden Wache die Schlüssel ab und gingen zu den Zellen. Nacheinander schlossen sie diese auf  und Arnulf verteilte die Waffen an die anderen Zelleninsassen. Gemeinsam schlichen sie sich an der betrunkenen Wache vorbei hinaus in den Burghof.Dort angekommen, verwickelten die Frauen die Wachen in Gespräche und Versprechungen, während sie von den Isländern lautlos erschlagen wurden. Auf dem äußeren Ringwall angekommen, befestigten sie ein Seil an einer Zinne und seilten sich die Mauern herunter. Wieder waren die Männer von den Frauen überrascht. Sie dachten, dass diese sie nur bei der Flucht behindern würden, mussten aber schnell feststellen, dass diese auch ganz gut ohne ihre Hilfe zu Recht kamen. Als sie an dem Burggraben angekommen waren, gewahrten sie einen jungen Mann der anscheinend auf sie wartete. Groß war die Freude, als Solveig ihn als ihren Bruder erkannte. Arnulf fand sich schnell bereit, den jungen Mann mit in sein Gefolge aufzunehmen. Baldwin hatte ebenfalls von der geplanten Hinrichtung gehört und ihm war klar, dass die Frauen heute Nacht einen Ausbruchsversuch wagen würden. Während sich die Gefährten austauschten flog mit einem Male eine Axt dich an ihnen vorbei. Sie sahen ihr nach und beobachteten, wie diese eine Wache die in die Richtung der Isländer blickte tötete. Sie zogen kampfbereit die Waffen doch als sie den Axtwerfer erkannten, regte sich große Freude in ihnen.

 

Es war Gunnar Svensson Sture. Arnulf Arnesson kannte den jungen Krieger schon seit langem. Gunnar Svennson Sture wuchs in dem Dorf auf dessen Jarl Arne Arvidsson war. Sein Vater Sven Flemming war Schiffsbauer und guter Bekannter  des Jarls. Von ihm erlernte Gunnar schnell dieses Handwerk und erbte dessen Geschick im Umgang mit dem Holz. Sein Vater war ein kluger Mann und wusste, dass sein Sohn nicht alleine mit seiner handwerklichen Begabung in der Welt zu Recht käme. So lehrte er seinem Sohne auch den Umgang mit Waffen, sodass er auch im Kampfe gerüstet wäre. Als der Jarl beschloss auf Kriegszug zu gehen, wurde Sven Flemming mit dem Bau der Schiffe beauftragt, mit seinem Sohn als Gehilfe. Am Vorabend der Abfahrt besuchte Sven Flemming den Jarl und bat ihn um eine Unterredung. Er bat Arne Arvidsson seinen Sohn Gunnar mit auf die Reise zu nehmen. Der Jarl stimmte zu, da er hierbei nur Vorteile sah. Gunnar konnte ihm Notfall das Schiff reparieren und er war ein junger Krieger voll Mut und Ehrgeiz.

Auf der langen Fahrt nach Germanien, freundeten sich Arnulf Arnesson und Gunnar Svensson miteinander an. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und so lernte Gunnar auch die Gebrüder Bjornsson kennen. Von Arnulf erhielt Gunnar seinen Beinamen Sture, da er selten nachgab, wenn er sich erstmal etwas in seinen Kopf gesetzt hatte. Arnulf lächelte bei diesen Gedanken, umarmte den Freund und wies die anderen an die Leiche der Wache verschwinden zu lassen, sodass sie rasch weiterziehen könnten. Nachdem sie den Graben durchschwommen hatten, flüchteten sie zunächst in den Wald. Dort trafen sie auf Verbündete, die Gunnar mitgebracht hatte und dort auf ihn warteten, Sie kamen als sie die Nachricht von der geplanten Hinrichtung hörten um die Männer zu befreien.

 

Als Gunnar die entgegenkommenden Gefährten erkannte, hieß er ihnen sich zurückzuhalten, um weniger Aufsehen zu erregen, während er sich zu erkennen geben wolle. Nach einer kurzen Pause, trieb sie Arnulf wieder zur Eile an, da sie noch lange nicht in Sicherheit waren. Er hatte vor die Richtung beizubehalten und Rheinabwärts zu gehen. So hatte er sich mit seinem Vater an jenem unglückseligen Tag besprochen und er wusste, dass versprengte Truppen sich dort treffen würden. Während ihrer Wanderschaft berichtete Gunnar, wie es ihm in der Zwischenzeit ergangen war. Als er erst den Jarl sterben und die Bedrängnis in die Arnulf geriet sah, war er der Verzweiflung nahe und handelte wie in Trance. Er versuchte Arnulf zu schützen, vermochte dies aber nicht. Als der junge Jarl zum Rückzug rief, flüchtete er sich mit einigen anderen in die Wälder und lief direkt in den Hinterhalt hinein, konnte aber wie durch ein Wunder entkommen. Mit den anderen Geflohenen beratschlagte er, was zu tun wäre und schnell war klar, dass sie alles an die Befreiung der Kameraden setzten mussten. Auf dem Weg nach Worms trafen sie auf eine Familie und nahmen Frau und Kind als Geisel, um von dem Mann zu erfahren, was mit den Isländern geschehen sollte. Als dieser berichtete, dass sie hingerichtet werden sollten, hielt sie nichts mehr. In einer ruhigen Minute, gesellte sich Gunnar zu Arnulf und berichtete ihm, dass sie den Leichnam seines Vaters bergen konnten und ihm ein würdiges Begräbnis bereiten konnten.

Danach setzten sie ihren Weg fort. Sie waren noch nicht lange gereist, als sie von zwanzig Wormser Männern überfallen wurden. Brüllend kam ein Krieger ihnen zur Hilfe. Bernulf Wulfsson geboren und aufgewachsen in Island. Sohn des Wulf Bjornsson, Waffenmeister des Jarls Arne Arvidsson. Schon mit jungen Jahren begann sein Vater mit dem Waffentraining des Knaben. Hart und Fordernd ging er mit dem Knaben zu Werke um ihm das blutige Handwerk auf bestmöglichste Weise beizubringen. Schließlich sollte er eines Tages die Stellung seines Vaters an der Seite des Jarls übernehmen.

Mit 18 Sommern sollte Bernulf seine erste große Schlacht erleben und an der Seite seines Vaters gen Worms ziehen. Der Jarl hatte gerufen und getreu seiner Erziehung folgte der junge Recke dem Ruf.

Die Schlacht hielt für ihn keinen Ruhm bereit. Der Jarl gefallen, sein Sohn vermisst, Bernulfs Vater in Stücke gehauen und Bernulf selbst auf dem Feld des Blutes durch eine schwere Kopfwunde für Tod gehalten. Entkräftet und dem Tode nahe schleppte er sich in einen nahe gelegenen Wald und wurde dort von einem alten Kräuterweib gefunden, das seine Wunden versorgte und ihn gesund pflegte. Als er wieder bei Kräften war, half er der Alten zum Dank dafür und schlug ihr soviel Brennholz das es den ganzen Winter ausreichen würde. Mit einem getöteten Eber sorgte er für genug Fleisch.

Unruhe und Ungewissheit zerfraßen sein Herz und das Verlangen herauszufinden was mit seinen Kameraden geschehen war, trieb ihn weiter. Die Alte wünschte ihm alles Gute für die Reise. Schild, Ger und Axt waren ihm geblieben und so schritt er düsterer Stimmung durch das unbekannte fremde Land. Mehr als einmal begegnete er Wegelagerern und Strauchdieben die in ihm ein Opfer sahen. Er schickte sie als Sklaven an die Seite seines Vaters auf das sie ihm in Walhalla dienen mögen. Was von Wert war nahm er an sich, den Rest überlies er den Raben. So kam es als er eines Tages Schlachtenlärm hörte. Sein Blut begann zu kochen und der Streit zog ihn magisch an. Welches Vergnügen außer dem Töten hatte er denn noch in diesem verfluchten Land. Mit gezogener Axt betrat er den Platz des Kampfes und sein Herz ward wie gefroren vor entsetzen, sah er doch den jungen Jarl, wie er sich seiner Haut erwehren musste nur mit einer Handvoll wackeren Männern an seiner Seite und drei Weibsbildern, die sich an Sachs und Stab versuchten. Gegen eine Übermacht von zwanzig Wormser Recken. Er rief aus voller Brust den alten Schlachtruf der Isländer und schleuderte seinen Ger in die Menge der Feinde. Aus Angst, Freude und Wut um seinen Jarl verfiel er in einen Blutrausch und hieb wie von Sinnen in die Reihen der Feinde, hob und senkte die Axt in einem blutigen Bogen, bis kein Feind mehr vermochte den Recken aus Island standzuhalten.Erschöpft und aus vielen Wunden blutend, fiel er auf die Knie vor seinem Jarl. Von nun an ward ein neuer Blutseid geschworen und die Treue zu seinem Herrn besiegelt.

Bei den Frauen die Arnulf mitführte, entdeckte er eine junge Maid, die ihn sofort magisch anzog. Als er sah, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte, machte er ihr den Hof. Somit hatte auch Ferun ihren Krieger gefunden. Nach einigen Tagen erreichten sie eine kleine Siedlung. Dort trafen sie Ibn Ulfsson wieder der sich mit seiner Frau Naja ihnen anschloss.

 

Die wettergegerbten Küsten Dänemarks übten schon seit frühester Kindheit eine besondere Faszination auf Ibn Ulfsson aus. Die raue See und die steil abfallenden, strengen Küsten, spiegelten für ihn auch die Bewohner seines Landes wieder. Wie sie war auch er ein strenger, von Unrast getriebener junger Mann. Das kleine Dorf in dem Ibn wohnte, war sehr von den Launen der Meeresgötter abhängig. Da sie so nahe an der Küste wohnten, bedrohte sie das ungestüme Meer mit seinen Wellen und Stürmen immer wieder, sorgte aber auch dafür, dass sie immer genügend zu Essen hatten. Aus diesem Grunde, wurden auch schon die Kleinsten, mit der Kunst des Fischfanges vertraut gemacht. Auch die Besänftigung und die Huldigung der für sie wichtigen Götter nahm in der Erziehung der Kinder einen großen Platz ein. Die Dänen sind jedoch kein Volk von Bauern und Fischern, sondern gefürchtete Krieger, die immer wieder auf Fahrt gingen, um andere Dörfer zu überfallen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Ibn Ulfsson in der Kunst des Schwertkampfes ausgebildet war. Die Sonne war noch nicht ganz über dem Horizont aufgegangen, als Ibn Ulfsson schon seinen Platz an der Küste einnahm. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang saß er hier und schaute über die grenzenlose Weite des Meeres hinweg. Schon seit einigen Wochen, spielte er mit dem Gedanken fort zu gehen um die Welt zu erkunden, Schlachten zu schlagen und als vollwertiger Mann zu seiner Sippe zurückzukehren. Am Abend zuvor hatte er gehört, dass ein Schiff auslaufen würde, um auf eine weitere Eroberungsfahrt  zu gehen. Seinen eigenen Ohren nicht trauend, vernahm er, dass auch er auf dieses Schiff gehen dürfte, wenn er sich denn schon für so eine Fahrt bereit fühlen würde.

Für Ibn sollte so ein Traum in Erfüllung gehen. Er sollte glücklich sein und vor Freude lachen, doch an diesem Morgen kurz vor dem Aufbruch, überkamen ihn Zweifel.

Sein Vater ist schon vor langer Zeit in Walhalla eingegangen und hat seinen Platz bei seinen Ahnen eingenommen. Er würde nun seine Mutter und seine kleine Schwester alleine in diesem schönen doch unwirtlichen Land zurücklassen müssen. Der junge Mann wusste, dass die gesamte Sippe sich um seine Familie kümmern würde, doch konnte er nicht frohen Mutes sein. Als er so in seinen Gedanken versunken war, hörte er hinter sich Schritte. Ibn musste sich nicht erst umdrehen, um zu erkennen, wer zu ihm trat. Seine Mutter setzte sich neben ihn und nahm seine Hand in die Ihrige. Ansberga war eine starke Frau, die ihrem Sohne im Wesen glich. Ohne ein Wort zu sagen gab sie ihm ein Bündel in die Hand, küsste ihn auf die Stirne und ging. Ibn Ulfsson schaute ihr lange nach, ehe er die Kraft fand, das Bündel zu öffnen. Er erkannte die Keule seines Vater sofort. Sein Schwert wurde mit ihm verbrannt, doch dieses Stück sollte sein Sohn bekommen, wenn er zu einem Mann herangewachsen war. Ibn wusste nun was zu tun war. Der junge Ibn Ulfsson machte sich auf den Weg zu dem Anlegeplatz des Schoners. Die Tage vergingen und sie näherten sich immer  weiter der isländischen Küste. Hier wollten sie Rasten, um ihre Vorräte aufzufrischen. Als sie das Festland schon fast erreicht hatten, sahen sie ein Schiff, dass sich ihnen vom Meer her mit hoher Geschwindigkeit näherte.

Ibn konnte nicht erkennen, was dies zu bedeuten hatte, bis er den Rufen eines älteren Seemannes vernahm „Die Finnen kommen!“ Sofort stießen sie in das Signalhorn um Hilfe zu erbitten. Wie es in Island Sitte war, erwartete am Festland der Jarl des ansässigen Clans Arne Arvidsson mit seinem Sohne und dessen Gefolge, Berengar und Hakon Björnsson und Gunnar Svensson Sture, die Dänen. Als sie das Signalhorn vernahmen, und die Finnen erblickten, beeilten sie sich auf das Schiff des Jarls zu gelangen, um den Freunden zu Hilfe zu eilen. Ibn erkannte rasch, dass die Hilfe zu spät kommen würde und machte sich zum Kampfe bereit. Die Finnen wüteten schwer unter der Besatzung der Dänen, doch konnte sich Ibn Ulfsson seiner Haut tapfer erwehren, bis die Isländer sie erreicht hatten. Mit vereinten Kräften schafften sie es die Angreifer zu erschlagen.

Der Jarl der Isländer führte die wenigen Überlebenden Dänen in sein Dorf um sie zu bewirten und die Wunden zu versorgen. Ibn Ulfsson wurde auf Grund seines Alters, seinem Sohne Arnulf Arvidsson anvertraut. Ibn hatte eine Bauchwunde erlitten und so dauerte es lange, bis er sich von dem Kampf vollständig erholen konnte. Die Dänen aber mussten so schnell wie irgend möglich zurück zu ihrem Volke, um sich zu einem Vergeltungsschlag zu rüsten. So kam es, das Ibn Ulfsson bei den Isländern unter der Obhut des Jarls blieb. Arne Arvidsson war erfreut darüber, da er Ibn auf dem Schiff kämpfen sah und erkannte, das ein großes Potential in diesem jungen Mann steckte. Ibn lebte viele Monate lang glücklich bei diesem Volke und freundete sich schnell mit Arnulf und dessen Freunden an. Eines Abends, als Thing gehalten wurde, und der Jarl von den Plänen Worms anzugreifen berichtete, war es für Ibn Ulfsson klar, dass er mitfahren wollte. Ibn wusste, dass in Arne Arvidsson immer wie einer der Ihren behandelt hatte, dennoch hatte er in sich die Befürchtung gehegt, dass er, als Däne, nicht mitfahren durfte. Umso erfreuter war er, dass er direkt nach dessen Sohne und seinem Gefolge gefragt wurde, ob er für Island kämpfen und sterben wolle.

Die Schlacht um Worms wurde erbittert geführt und Ibn Ulfsson tat sein Bestes. Als er sah, dass der Jarl gefallen war, und Arnulf zum Rückzug blies, rannte er mit den anderen in den nahe gelegenen Wald. Er sah, wie Arnulf und die Gebrüder Bjornsson gefangen wurden. Da er verletzt war, konnte er ihnen nicht zu Hilfe eilen, sondern flüchtete sich in den Wald.

 

Als Naja an diesem Morgen erwachte sollte dieser Tag nicht sein wie jeder andere in ihrer kleinen Siedlung mitten im Wald von Worms, nahe der Grossen Stadtmauer welche die Hauptstadt wie ein Steinerner Panzer umgab. Ihr Vater, ein Gutsherr mit Ländereien, und ihre Mutter eine Hausfrau saßen um den großen Tisch mitten in der Wohnstube und unterhielten sich leise. Als sie bemerkten das Naja sich ihnen näherte, brachen sie abrupt ihr Gespräch ab. Dies bemerkte sie und wollte erfahren was geschehen sei. Ihre Eltern klärten sie darüber auf, das der Stadthalter verkünden lies, das er die Steuern in diesem Jahre wieder erhöhen lasse und sie keine Ahnung hätten wie sie diese bezahlen sollen. Die Ernten in diesem Jahr waren durch den harten Winter und den viel zu heißen Frühling sehr niedrig ausgefallen. Er wisse auch nicht, wie er seine Familie davon ernähren solle. So sollten noch einige Tage verstreichen. Eines Tages erreichte ein fahrender Händler ihr Dorf. Dieser berichtete ihnen von einer Flotte, welche mit den viel gerühmten und zugleich gefürchteten Mannen aus dem Norden, herauf rudern solle. Diese Nachricht verbreitete sich rasch in der Siedlung, worüber sich die Bewohner sehr freuten, weil sie Worms brennen sehen wollten. Naja war ein junges, fröhliches aber dennoch ein schüchternes Mädchen. Die durch die strenge Erziehung  ihrer Mutter eigentlich eine gute Hausfrau war und somit ihrem zukünftigen Mann auch eine gute Frau und Mutter sein sollte. Jedoch hatte sie an solchen Dingen recht wenig Interesse, was sie aber nicht offen zeigte. Dieses lag mehr in der Handhabung  des Bogens ihres Vaters mit dem sie immer heimlich in dessen Scheune übte, denn ihr Traum war es irgendwann als Bogenschütze anerkannt zu werden. An einem heißen Tag waren Naja und ihre Mutter unterwegs um Wasser aus dem Brunnen zu holen. Auf ihrem Heimweg fanden sie im Wald einen verwundeten Krieger, welcher wie in Trance vor sich hintorkelte. Naja lief heim um ihren Vater zu holen, welcher mit seinem Pferd daraufhin in den Wald ritt um den Krieger ins Dorf zu holen. Auf dem Weg zurück fiel der Verwundete in eine tiefe Ohnmacht. Der Vater befahl Naja sich um den Fremden zu kümmern und die Wunden zu pflegen, bis er wieder genesen sei. Dieses war dem jungen Mädchen anfangs nicht recht, konnte sie doch dadurch ihr Können im Bogenschiessen nicht verbessern. Zumal hatte sie Angst vor dem Fremden, von welchem sie sich aber andererseits auch angezogen fühlte. Tage vergingen, die Wunden verheilten rasch, doch der junge Mann lag immer noch in seiner Ohnmacht. Als Ibn Ulfsson nach langer Zeit auf seinem Krankenlager wieder erwachte, gewahrte er ein junges Mädchen, das ihn versorgte. Er sprach sie an, doch sie erschrak sich sehr und rannte aus dem Zimmer.

Kurze Zeit später kam die Herrin des Hauses zu ihm, um nach ihm zu sehen. Ibn fragte sie nach dem Mädchen, das ihn verpflegte und sie sagte, dass ihr Name Naja wäre und sie sehr schüchtern sei. Ibn brauchte eine geraume Zeit um sich von seinen Verletzungen zu erholen.  Doch ließ er diese Zeit nicht ungenutzt. Die Tochter des Hauses, Naja, lag ihm sehr am Herzen und er spürte, dass er nicht ohne sie weiterziehen sollte. Als es ihm besser ging, wollte er sich dieser Familie erkenntlich zeigen und ging auf die Jagt. Ibn fragte Naja, ob diese ihn nicht begleiten wolle. Er hatte schon gehört, dass dieses Mädchen mit dem Bogen geschickt umgehen konnte. Als die beiden im Wald umhergingen, kamen sie sich immer näher und auf Ibns Anfragen hin, erklärte sich Naja bereit mit ihm in die Fremde zu ziehen. Auch sie hatte in den vergangenen Tagen Gefühle für diesen jungen Krieger entwickelt. Gemeinsam gingen sie zurück zu dem Hause um den Eltern ihren Entschluss mitzuteilen, als sie die Krieger gewahrten. Als Ibn die Krieger gewahrte, war er zuerst fassungslos vor Erstaunen, dann jedoch von großer Freude ergriffen. Naja blickte ängstlich zu ihrem Gefährten auf, der sie sogleich beruhigte. Gemeinsam gingen sie zu dem Hof von Najas Eltern. Arnulf stellte sich ihnen vor und erklärte ihnen ihre weiteren Vorhaben. Als Naja den Wunsch äußerte mit den jungen Kriegern zu ziehen, waren die Eltern zuerst sehr unglücklich darüber. Nachdem sie jedoch die anderen Frauen gewahrten, konnten sie ihrer Tochter diese Bitte nicht mehr abschlagen. Schweren Herzens ließen sie ihr einziges Kind ziehen, doch nicht ohne vorher Ibn das Versprechen abzuringen, sie immer zu beschützen. Dieses Versprechen gab er ihnen bereitwillig. Zum Abschied beschrieben sie ihnen noch eine günstige Stelle, um gefahrlos über den Rhein zu setzen. Arnulf und sein Gefolge machten sich wieder auf den Weg in ihre ungewisse Zukunft.

 

Ein Fährmann brachte sie über den Rhein. Dort waren sie zunächst außer Reichweite für die Wormser Truppen.  Sie beschlossen fürs erste hier zu bleiben und ein Lager aufzuschlagen. Bei dem Errichten des Lagers trafen zwei Krieger ein. Arnulf erkannte das Gesicht des Größeren wieder. Es war Ansgard Eldursson. Der Jarl hatte ihn vor der Schlacht bei den Handwerkern des Öfteren gesehen. Er begrüßte die beiden Neuankömmlinge höflich und fragte sie, wie sie hergekommen seien. Ansgard wurde nachdenklich und fing an zu erzählen.

 

Das Hämmern der schweren Schmiedewerkzeuge durchdringt die friedliche Stille des kleinen Dorfes Tilomar im Süden Islands. Die großen, schwieligen Hände des alten Schmiedes Eldur Erikson bearbeiten das Metal mit einer Leichtigkeit, die ihr Alter Lügen strafen.  Die Schmiede war schon von klein auf seine Kinderstube gewesen, sodass er ein Meister seiner Zunft wurde. Als ihm seine treue Frau den Sohn Ansgard Eldurson schenkte, war für ihn klar, dass dieser Junge, sein Nachfolger werden sollte. Eldur weihte seinen Sohn von frühester Kindheit an in die  Geheimnisse des Schmiedens ein und sah, dass dieser das Geschick und die Kraft seines Vater geerbt hatte. Der stolze Vater hielt für einen Augenblick von seiner Arbeit inne und schaute hinüber zu der Esse, die sein Sohn bediente. Ein kräftiger, stolzer Jüngling war aus ihm geworden und Ansgard liebte die Arbeit in der Schmiede. Ein flüchtiges Lächeln huschte über die Züge von Eldur Erikson als er seinen Spross so ansah. Er war Stolz auf ihn und wusste, dass er ihm nun alles beigebracht hatte, was Ansgard wissen musste, um in der Welt zu bestehen. Wenn Ansgard dachte, dass ihn niemand beobachtete, schlich er sich abends in die Schmiede, um mit den gefertigten Waffen zu üben. Er wusste nicht, dass sein Vater ihm zusah und wusste, dass er Waffen nicht nur herstellen, sondern auch mit ihnen umzugehen verstand. Als sich Eldur so besann, wurde ihm andere Verhaltensweisen seines Vaters klarer. Tief in sich spürte er, dass Ansgard seine Schmiede nicht übernehmen werden würde. Sein Sohn war ein tapferer Mann und strebte nach Abenteuer und Heldentaten.  Eldur wurde bewusst, dass er ihn nicht halten konnte und es auch nicht durfte. Er hatte seinen Sohn zur Tapferkeit und in dem alten Glauben erzogen und so war es auch seine Pflicht in gehen zu lassen, sodass aus dem Jüngling ein Mann und aus dem kleinen Schmied ein Krieger werden konnte. Als Eldur Erikson dies bewusst wurde, zögerte er nicht lange. Er ging zu seinem Sohn und brachte ihm ein Stück rohen Stahls. An diesem Abend konnte Ansgard Eldurson nicht schlafen, zu sehr verfolgten ihn die Geschehnisse des vergangenen Tages. Er war gerade dabei seinen letzten Auftrag zu erfüllen, als sein Vater zu ihm trat und ihm ein Stück Stahl in die Hand legte. Er sagte, dass er ihm nun all sein Wissen vermacht habe und es nun an der Zeit sei, eigene Lebenserfahrung zu sammeln. Sein Vater wies ihn an aus diesem Stück Metall ein Schwert zu Schmieden, dass hernach ihm gehören sollte. Wenn diese Aufgabe erfüllt sein, so sprach er weiter, solle er seine Habseligkeiten packen und mit anderen jungen Männern das nächste Schiff nach Germanien nehmen, um dort seinen Heldenmut und sein Geschick unter Beweis zu stellen. Bei diesem Gedanken, wurde Ansgard immer noch schwindelig vor Glück. Schon seit so langer Zeit wünschte er sich in die Welt zu fahren um mehr zu sehen als die immer langweiligen Strassen von Tilomar. So lange schon haderte er mit sich, um ein Gespräch mit seinem Vater zu suchen und so lange schon verwarf er diesen Gedanken immer wieder, da er wusste, dass dieser ihn als Nachkommen für seine Schmiede haben wollte. Schmieden, ja schmieden wollte er immer noch. Doch nicht für immer an demselben Ort. Ansgard erhoffte sich von dieser Reise nicht nur Abenteuer, nein er erhoffte sich auch neue Arten der Schmiedekunst kennen zu lernen, um sein Tun noch zu perfektionieren. Von Vorfreude getrieben, arbeitete er unermüdlich daran, sein Schwert so schnell, aber auch so gut wie möglich zu erbauen. Nach tagelanger Arbeit betrachtete er sein Werk und fand es als ansehnlich genug es seinem Vater vorzustellen. Als Eldur Erikson die Arbeit seines Sohnes in Augenschein nahm, konnte er keine Mängel feststellen. Ansgard packte das Wenige das er besaß ein und verabschiedete sich von seiner Familie.  An dem Bootsteg waren viele Männer seines Alters, wie es sein Vater ihm gesagt hatte. Er fand schnell Gesellschaft und machte sich frohen Mutes auf den Weg in das fremde Germanien.  Ansgard reiste eine Weile umher, verdingte sich bei einheimischen Schmieden und lernte viel. Als er wieder einmal Arbeit gefunden hatte, fragte er den Schmiedemeister, woher die überdurchschnittlich vielen Waffenaufträge kämen.

Als Antwort erhielt er, dass es das Gerücht gebe, ein Angriff auf Worms seitens der Isländer sei zu erwarten. Sobald seine Arbeiten getan waren, verabschiedete er sich von dem Schmied und begann durch die Wälder zu streifen, in der Hoffnung, die Isländer zu treffen. Er erhoffte sich, dass sie einen schmiedekundigen Mitstreiter gebrauchen könnten, um mit ihnen in den Krieg zu ziehen. Hier konnte er auf Ruhm und Ehre hoffen. Es dauerte nicht lange und er traf auf die isländischen Truppen. Ansgard wurde dem Jarl Arne Arvidsson vorgestellt und dieser hatte für ihn im Waffenlager genug Arbeit zu vergeben. So kam es, dass Ansgard Eldursson nicht direkt an der eigentlichen Schlacht teilnehmen konnte. Als es bekannt wurde, dass Arne Arvidsson gefallen und Arnulf gefangen genommen wurde, ging er wieder seines Weges. Während er seine Reise fortsetzte, musste er dennoch immer wieder an den jungen Jarl Arnulf und dessen Getreuen denken. Ansgard war in dem Lager zwar nur ein Söldner gewesen, doch hatte der Sohn des Jarls und dessen Gefolgschaft Eindruck auf ihn gemacht. Er hatte sogar darüber nachgedacht, ganz bei der Sippe zu bleiben. Ansgard haderte lange mit sich selbst, kam jedoch immer wieder auf dasselbe Ergebnis. Er musste zurück und versuchen, diesem Clan zu helfen. Ansgard Eldurson gelangte zurück in die Wälder, in denen sich viele geflüchtet hatten. Er streifte lange umher, bis er endlich eine vertraute Stimme vernahm.

 

Diese Stimme gehörte zu Eberwin Torkson. Eberwin wuchs als Sohn eines wohlhabenden Bauern ebenfalls in Tilomar auf. Ansgard und Eberwin kannten sich schon von Kindesbeinen an und waren über die Jahre gute Freunde geworden. Als Ansgard auszog um die Welt zu sehen, kam dies für ihn sehr überraschend, sodass er nur ein kurzes Schreiben für Eberwin hinterlassen konnte, in dem er ihn über seine Pläne informierte. Als Eberwin diesen Brief las, war er sehr erstaunt und freute sich sehr für Ansgard. Später am Abend, als Eberwin die Kühe seines Vaters in die heimischen Stallungen trieb, blickte er hinauf in die Sterne. Der Brief seines Freundes hatte einen bitteren Nachgeschmack auf ihn.

Schon früh erkannte er, dass er nicht für den bäurischen Hof seines Vaters gemacht war. Als Jüngling erfreute er sich mehr am Würfelspiel als am Eggen und das Zechen reizte ihn mehr als das Säen im Frühjahr. Dennoch ging er nicht fort wie viele seiner Freunde es getan hatten als die Abenteuerlust sie packte. Eberwin war nicht feige, auch scheute er sich nicht die Strapazen dieser Fahrten in Kauf zu nehmen. Im Gegenteil, die Abenteuerlust brannte in ihm wie ein unlöschbares Feuer. Nein Angst war es gewiss nicht. Nun vielleicht doch. Allerdings war es nicht die Angst vor dem Tode oder Schlimmeren. Es war die Sorge, dass der nächste Winter hart und der Sommer so heiß werden könnte, dass die Äcker fruchtlos blieben und die Tiere eingehen könnten. Er wusste, dass ein schlimmes Jahr den Tod eines Bauern und seiner Familie bedeuten konnte, auch wenn es eine wohlhabende war. Während Eberwin über all dies nachdachte, nahm er zum wiederholten Male den Brief seines Freundes in die Hände. Als der helle Mond sich zeigte, konnte man in dem fahlen Licht sehen, dass das freundliche Gesicht des jungen Mannes tiefe Falten bekam. Eberwin Toresson hatte einen Entschluss gefasst. Noch in der gleichen Nacht packte er seine wenigen Habseligkeiten, sowie seine besonderen Schätze. Kräuter und Räucherwerk, deren Gebrauch er von der liebevollen und wissenden Mutter lehrte und seinen Bogen, für den er lange gespart hatte, was bei ihm hieß, dass er einige Wochen lang dem Würfelspiel frönte, bis er ein geeignetes Exemplar gewonnen hatte. Jetzt da sein Entschluss erstmal gefasst war, begann er auch sofort ihn in die Tat umzusetzen. Mit seinem Bündel in der Hand verabschiedete er sich von Vater und Mutter. Die Mutter, die dies schon voraussah, legte ihm ein von ihr gesegnetes Medaillon um den Hals. Der Vater konnte den Sohn nicht begreifen. Für Tore Baldursson waren seine Felder und Tiere alles, wofür es sich zu leben lohnte. Doch als er in das entschlossene Gesicht seines Sohnes blickte erkannte er, dass alles Reden keinen Sinn mehr hatte. Er ging wortlos hinaus und sattelte ein Pferd, um es seinem Sohne mit auf die Reise zu geben. Als Eberwin aufstieg, sah er an der Seite des Sattels etwas baumeln. Es war das Horn des Vaters, ein Erbstück seines Hauses. Eberwin Toresson ritt geradewegs zu dem Hafen, an dem glücklicherweise noch zu dieser Stunde ein Schiff nach Germanien ablegte. Auf dem Schiff erfuhr er, dass sie unterwegs waren um den Jarl Arne Arvidsson bei seinem Eroberungskampf gegen Worms beizustehen. Eberwin war es zufrieden und schaute zuversichtlich in eine Zukunft, die doch so ungewiss war. In Germanien angekommen, beeilten sich seine Schiffsgefährten und er sich sehr, möglichst schnell zu dem Kampfgeschehen zu kommen. Doch die Nornen hatten für Eberwin erst einmal einen anderen Faden gewebt, als den im Kampfe zu sterben. Sie kamen zu spät. Der Jarl war schon tot und sein Sohn blies zum Rückzug. Eberwin lieferte sie ein paar kleinere Scharmützel mit den Gegnern, konnte aber dann in den nahe gelegenen Wald fliehen. Als Eberwin Toresson alleine im Wald saß und lauthals sein Schicksal verfluchte, hörte er auf einem einen Mann jubelnd aus den Büschen brechen. Eberwin wollte gerade sein Schwert zücken, als er sich vor Erstaunen nicht mehr rühren konnte. Ansgard, tatsächlich Ansgard schoss es ihm durch den Kopf. Die beiden Kameraden fielen sich in die Arme und waren überwältigt, sich in dieser trostlosen Stunde wieder zu finden. Nachdem sie sich gegenseitig ihre Abenteuer berichtet hatten, überlegten sie gemeinsam, wohin ihr Weg sie wohl nun führen sollte.  Da es für Ansgard selbstverständlich war, den Sohn des Jarls zu suchen und dem Clan beiseite zu stehen, stellte sich für Eberwin gar keine Frage mehr. Er kam nach Germanien um dem Jarl beizustehen und diese Pflicht hatte er noch zu erfüllen. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche. Als die Beiden ihre Geschichte beendet hatten, bot ihnen der Jarl an sich ihrer Sippe anzuschließen, was sie auch gerne taten. Die nächsten Tage packten sie kräftig mit an, das Lager zu errichten. Arnulf gab die Hoffnung nicht auf, dass noch mehr tapfere Männer und Frauen zu ihnen finden würden. Arnulf Arnesson war nun wieder ein Jarl über viele tapfere Krieger und nahm sich Solveig zur Frau und Berengar entschied sich für Marada. Naja jedoch fühlte sich von Heimweh ergriffen. Ihr Herz sagte ihr, dass ihre Familie sie nötiger brauchen würde als Ibn. Schweren Herzens teilte sie der Sippe diese Entscheidung mit und versprach so häufig wie es ihr nur möglich wäre der Sippe bei zu stehen. Ibn akzeptierte diesen Entschluss seiner Freundin und blickte ihr wohl wollend nach.

Auch Ferun entschied sich dafür weiterhin die Haare offen zu tragen und ohne Mann durch das Leben zu gehen. Ferun wollte jedoch bei der Sippe bleiben, die ihr zu einer Familie geworden ist. So kam es, dass die Schattenwölfe gegründet wurden. Ein kleine Sippe, doch es sollte noch vieles geschehen.

 

Als die Krieger zur Ruhe gekommen waren, trat Ibn an Arnulf heran. Ibn berichtete Arnulf, dass als er Dänemark verließ die Zeichen für einen Krieg gegen die Wormser offensichtlich war. Es konnte nicht mehr lange dauern.  Als Arnulf dies erfuhr, schickte er unverzüglich Gunnar an die Ufer des Rheins. Er sollte nach den Schiffen Dänemarks Ausschau halten. Ibn sollte Recht behalten. Nach weniger als zwei Wochen sah Gunnar in der Ferne die Fahnen Dänemarks wehen. Er eilte so schnell er konnte in das Lager zurück um Arnulf die Neuigkeiten zu überbringen. Der Jarl freute sich sehr über diesen Bericht und hieß seine Getreuen alles zu packen. Schnellstmöglich machte sich die Sippe auf den Weg zu den Ufern. Sie waren von solcher Erwartung und Freude erfüllt, sodass sie nicht die Aufmerksamkeit walten ließen, die nötig gewesen wäre, um ihre Angreifer frühzeitig zu erkennen. Als sie voller Ungeduld durch die Wälder hasteten, wurden sie von einem Suchtrupp von Wormser Kämpfern entdeckt, die nach versprengten Feinden Ausschau hielten. Diese waren in der Überzahl und witterten Ruhm und Ehre für sich, als sie erkannten, dass diese Gestallten die mutigen Kämpfer waren, die unter Arne Arvidsson in die Schlacht um Worms zogen. Ihr Angriff war schnell und gewaltig. Die Wikinger versuchten ihre Frauen zu schützen und sich ihrer eigenen Haut zu erwehren. So kurz vor dem Zusammentreffen mit möglichen Verbündeten überfallen zu werden! Das war zuviel für die Krieger. Sie kämpften mit Wut und Verzweiflung, doch sahen sie sich schon bald unterlegen. Als Arnulf sich dazu durchrang, die Frauen wegzuschicken und sich mit seinen Getreuen ein würdevolles Ende zu bereiten, kam ihnen unvermutete Hilfe zu. Eine Gruppe Wikinger kam aus den Wäldern und stürtzten sich mit solcher Wut auf die Angreifer, dass diese in ihrem Angriff stockten. Dies war ihr Todesurteil. Doch auch von den Helfern traten viele ihren Weg nach Walhalla an, da sie in ihrer Wut unaufmerksam wurden. Von den Rettern blieben nur noch ein Mann übrig, sowie eine Frau, die nach der Schlacht aus den Wäldern kam. Der Krieger stellte sich der Sippe als Föstolfur vor und sein Weib als Snela. Während sie ihre Wunden verbanden berichtete Föstolfur von ihrer Herkunft. Sie beide stammten aus Island. Föstolfur war der zweite Sohn eines Bauers und er genoss das Leben auf dem Hofe. Er fand gefallen an der Arbeit und die Nachbarschaft Snelas vergrösserte sein Behagen noch. Snela war ebenfalls die Tochter eines Bauern und lebte in dem benachbarten Hofgut. Der junge Mann war, wie alle Männer des Dorfes, im Umgang mit dem Schwerte geschult. Mit den Jahren kam die Abenteuerlust und er wollte von zu Hause fort um für sich Ruhm und Ehre zu gewinnen. Es kam ihm gelegen, dass der Vater eines Tages von ihm verlangte, sich eigenes Land zu suchen, um dort mit Snela zu leben, da der Hof einmal seinem älteren Bruder gehören würde. So kam es, dass er mit Snela und einigen anderen jungen Männern und ihren Frauen auf ein Schiff ging, um sich in Germanien einen Platz zum Leben zu suchen. Sie hatten davon gehört, dass Worms erobert werden sollte und somit mehr als genug Platz für die Wikinger bereit wäre. Als sie in dem neuen Land ankamen, wussten sie nicht, dass die Schlacht um Worms geschlagen und verloren war. Die Gruppe wanderte in Richtung Worms um mit die, vermeintlich, siegreichen Krieger zu feiern, als sie angegriffen wurden. Die Frauen flüchteten in den Wald, während die Wikinger kämpften. Föstolfur und die anderen waren siegreich und machten sich auf die Suche nach ihren Frauen. Als sie auf eine Lichtung gelangten, sahen sie das Grauen. Einige der Wormser Kämpfer mussten sich während des Kampfes von der Gruppe entfernt haben um die Frauen zu verfolgen. Sie ließen ihre Wut an den hilflosen Bauerntöchtern aus und töteten sie qualvoll. Ein jeder der Kämpfer fand seine Frau, oder das, was die Wormser von ihrer ehemals stolzen Schönheit übrig gelassen hatten. Föstolfur suchte verzweifelt seine die er von Herzen liebte. Der Anblick der anderen Frauen brachte ihn fast um den Verstand, da er befürchten musste, seine Geliebte in ähnlichem Zustand vorzufinden. Als er an einem alten vom Winde gefällten Baumstumpf vorübereilte, gewahrte er einen ängstlichen Laut. Er sprang auf die andere Seite und entdeckte in der Aushöhlung des Stammes eine Frau. Er erkannte sein Snela erst wenige Augenblicke später, da sie blutverschmiert und verschmutzt, von Tränen überströmt dort kauerte. Föstolfur schloss sie in seine Arme und ihm rannen Tränen der Freude und des Schmerzes über den Zustand seiner Frau über die Wangen. Snela erzählte unter Schluchzen, dass sie Überfallen worden seine. Die Frauen haben sich tapfer gewehrt, doch konnten sie diesem Hass nichts entgegensetzen. Sie selbst konnte fliehen, wohl als einzige. Das Paar kehrte zu den anderen zurück und begruben die toten mutigen Frauen. Hiernach machten sie sich weiter auf den Weg, im Schwur vereint jeden Wormser zu töten, der ihnen begegnen würde. Als sie in Trauer und Hass durch den Wald streiften, hörten sie den Kampfeslärm und stürmten hinzu.

Nun verstanden die anderen, den Hass und die Wut mit dem die Retter sich in den Kampf stürzten. Als Föstolfur und Snela über den Verlauf der Schlacht um Worms und die dänischen Schiffe hörten, baten sie darum mit die Sippe begleiten zu dürfen, was freudig gewährt wurde. Die Sippe eilte nun weiter den ankommenden Schiffen der Dänen entgegen, diesmal jedoch schenkten sie ihrer Umgebung mehr Beachtung. Als sie an den Ufern des Rheines standen, waren die Dänen gerade im Begriff anzulegen. Sie gewahrten einander und musterten sich gegenseitig in wachsenden Misstrauen. Der Jarl der Dänen, Björn Baldursson, war voll Erstaunen über das Erscheinen der Wikinger. Noch mehr in Verwunderung setzte es ihn, als er ihren Zustand sah. Er trat auf die jungen Krieger zu und erkannte unter ihnen Arnulf Arnesson der Sohn seines früheren Freundes, sowie Ibn Ulfsson, den er als Dänen erkannte. Björn sprach den jungen Krieger Arnulf an und fragte ihn nach seinem Vater und warum er nicht selbst zu seinem Empfang gekommen wäre. Als Björn erfuhr, dass die Schlacht verloren und Arne Arvidsson gefallen war, packte ihn eine unbändige Wut auf die Wormser und sein Entschluss diese Stadt dem Erdboden gleich zu machen festigte sich. Die Dänen schlugen währenddessen ihr Lager auf und ihr Jarl lud die Sippe ein Platz zu nehmen und sich auszuruhen. 

Da der Jarl der Dänen mit Arnulfs Vater eine Freundschaft unterhielt und einer seiner Landsleute bei dieser Sippe von jungen Männern und Frauen ist, sah er sich in der Pflicht ihnen zu helfen. Arnulf Arnesson bat Björn, bei ihrem Angriff auf Worms teilnehmen zu können, um ihre Toten zu rächen und somit ihrer Ehre genüge zu tun. Diesem Anliegen stimmte der Jarl gerne zu. Unterdessen streifte Ibn in dem Lager umher, glücklich wieder seine Muttersprache zu sprechen und Landsleute zu sehen. Die Hoffnung ein bekanntes Gesicht zu sehen, und vielleicht sogar Auskunft über seine Mutter zu erhalten, blieb jedoch unerfüllt. Während seines Streifzuges durch das Lager schloss sich ihm Bernulf an. Er wollte sich ein Bild von seinen neuen Verbündeten machen. Einfach mit Fremden in eine Schlacht zu ziehen behagte ihm nicht. Als die beiden jungen Krieger sich das Lager besahen und immer wieder in Gespräche verwickelt wurden, sahen sie Abseits einen Verschlag mit zwei Wachtposten. Sie gingen darauf zu und erkannten, dass hier jemand gefangen gehalten wurde. Bernulf bat die beiden Wachtposten darum, mit diesem Gefangenen sprechen zu dürfen, was diese ihm jedoch nicht gestatteten. Sie sagten ihm, er müsse zuerst mit ihrem Jarl sprechen. So machten sich die beiden Freunde auf den Rückweg, um ihrem Jarl von ihrer Entdeckung zu berichten. Arnulf fand dies sehr interessant und machte sich mit den Beiden auf den Weg um Björn Baldursson zu suchen. Dieser berichtete ihnen, dass sie diesen jungen Mann bei einer Erkundungstour in den Wäldern nicht weit von hier gefunden hatten. Es stellte sich heraus, dass zur Hälfte römisches Blut in dessen Adern war und somit nahmen sie ihn gefangen. Sie konnten nicht beurteilen, ob sie einen Spion vor sich hatten, oder aber einen Mann gleicher Gesinnung, daher war es sicherer gewesen ihn mit sich zu nehmen. Er konnte ihnen ja vielleicht noch nützlich sein. Björn konnte die Neugier der jungen Männer verstehen und gab ihnen die Erlaubnis mit dem Gefangen zu sprechen. Sie kamen wieder zu dem Verschlag und nun ließen sie die Wachen zu dem gefangen Mann. Der junge Mann, war von der Reise abgemagert und sein Blick war verzweifelt. Arnulf stellte sich und seine Begleiter vor und fragte seinerseits nach dessen Namen. Es dauerte eine geraume Zeit, bis der verstörte junge Mann den Blick hob und antwortete. Er sei Ambjorn und wie sie wohl schon wissen würden, war sein Vater ein Römer. Seine Mutter jedoch sei eine keltische weise Frau gewesen die ihm die Gesetzte der Kelten gelehrt habe. Seinen Vater habe er nie kennen gelernt.  Arnulf fragte ihn, warum er in diesen unruhigen Zeiten alleine in den Wäldern umherstreift, anstatt für die eine oder die andere Seite zu kämpfen. Ambjorn antwortete, dass er daran kein Interesse mehr hatte. Seine Augen zeigten tiefen Schmerz und Trauer. Ein Mann sei in sein Dorf gekommen als er noch ein Kind war. Dieser habe seine Mutter getötet während er selbst sich nur mit knapper Not retten konnte. Seit dem sei er auf der Suche nach dem Muttermörder gewesen. Ambjorn war seit dem in den Wäldern umher gewandert. Als er in das älter wurde konnte er einem Mann der ihn angriff, töten und gelangte daher an ein Schwert. Er brachte sich den Umgang mit Selbigem selbst bei, daher, fügte er schmunzelnd hinzu, habe er einen recht eigenwilligen Kampfstil. Hin und wieder besuchte er nahe Städte und verdingte sich in mancherlei Berufen als Lehrling. Doch immer wenn er dachte, dass er eine Spur zu dem Mörder gefunden hätte, brach er die Lehre ab und zog weiter. Als die Dänen ihn aufgriffen hatte er die Gewissheit erlangt, dass der Gesuchte bei der Schlacht in Worms anzutreffen sei, da dieser ein Ritter gewesen war.  Doch nun da die Wikinger berichteten, dass die Schlacht um Worms schon stattgefunden hatte, kann er nicht mehr daran glauben, den ruchlosen Mörder jemals wieder zu finden. Als Arnulf ihm erzählte, dass er  und seine Getreuen bei der Schlacht um Worms dabei gewesen seien, wollte er alles hören. Die Berichte der drei Männer jedoch konnten ihm nicht weiter helfen. Da hatte Bernulf die Idee Solveig, Ferun und Marada zu fragen, da diese ja in Worms gelebt hätten und somit auch mehr Kontakt mit den ansässigen Rittern hatten. Ambjorns Augen glänzten und er bat die Männer inständig darum diese Frauen zu ihm zu bringen. Arnulf willigte ein ihm diese Bitte zu erfüllen. Ibn ging los um die Frauen zu dem Verschlag zu führen. Während Ambjorn zum Warten verdammt war, musste er immer wieder daran denken, dass nun vielleicht doch noch der Bluteid Erfüllung finden konnte und somit die Seele seiner Mutter endlich Ruhe finden könnte.

Nach einiger Zeit, die sich für Ambjorn wie mehrere Leben anfühlte, kam Ibn mit den drei Frauen zurück. Ambjorn sprang freudig auf, was ihm jedoch nur Kopfschmerzen einbrachte, da der Verschlag, selbst für einen halben Römer, etwas zu klein war. Ambjorn nestelten aufgeregt an seinem Umhängebeutel und zog ein vergilbtes Papier hervor. Er erklärte den Frauen, dass dies das Wappen des Ritters gewesen sei, er habe es nie vergessen. Die drei Freundinnen betrachteten es lange. Ferun kam es bekannt vor und als sie dies sagte, erinnerten sich auch die anderen Beiden. Der Ritter, dessen Wappen dies sei, erklärten sie, habe an der Schlacht teilgenommen, kam aber unverletzt wieder zurück. Das würde bedeuten, dass er bei einem erneuten Angriff wieder Worms verteidigen würde. Nun war Ambjorn nicht mehr zu halten. Er bestürmte die Isländer ihm zu helfen frei zu kommen, um seinen Eid zu erfüllen. Im Gegenzug wolle er bei ihnen bleiben und mit ihnen allen Gefahren trotzen. Arnulf überlegte lange und entschloss sich, mit Björn Baldursson zu sprechen. Es war immer gut einen Kämpfer mehr in seinen Reihen zu wissen. Doch zuvor wolle er sich mit der Sippe beraten. Er empfahl Ambjorn sich zu gedulden und abzuwarten, was zu erreichen sei. Die Wikinger machte sich auf den Weg zurück ins Lager und Arnulf rief ein Thing ein. Er berichtete seiner Sippe über den jungen Mann und fragte, was die anderen davon halten, da es noch nicht bewiesen sei, dass Ambjorn auf ihrer Seite stehe. Sie beratschlagten lange und kamen zu dem Entschluss, dass sie es wagen wollten für Ambjorn zu bitten und ihn bei sich aufzunehmen. In der ersten Zeit, wollten alle ein Auge auf ihn haben, um rechtzeitig erkennen zu können, ob er der Mann ist, für den er sich ausgegeben hat. Nun machte sich Arnulf in Begleitung von Berengar, Ibn und Bernulf auf den Weg zu dem Jarl der Dänen um mit ihm über die Zukunft Ambjorns zu sprechen. Björn Baldursson hörte sich die Bitte mit Verwunderung an und wusste nicht so recht, wie er dem entgegnen solle. Da Arnulf ihm jedoch versicherte, dass Ambjorn ihnen in der kommenden Schlacht eine große Hilfe werden könnte, entschloss er sich dazu auch diesem Wunsch der jungen Sippe nachzukommen. Sie waren noch sehr wenige und er konnte verstehen, dass der junge Arnulf seinem Vater gleichkommen wollte, eine starke Sippe aufzubauen.

Mit dieser freudigen Nachricht kamen die drei Freunde zu den anderen ins Lager zurück. Nachdem sie die anderen von der Aufnahme Ambjorns in Kenntnis gesetzt hatten, machten sich Arnulf, Ibn und Bernulf wieder einmal auf, um nun auch Ambjorn selbst hierüber zu informieren. Als sie an den Verschlag gelangten, waren die Wachen bereits informiert und gingen ihrer Wege. Ambjorn schien dies zuerst nicht zu registrieren und bestürmte die Isländer mit Fragen. Als Arnulf dann den Verschlag öffnete, konnte Ambjorn sein Glück nicht fassen. Er kam heraus und dankte den Männern überschwänglich. Als die Isländer von dem Redefluss des jungen Mannes überdrüssig wurden, geleiteten sie ihm zurück in ihr Lager und stellten ihm die anderen vor. Ambjorn bestürmte sofort wieder die Frauen, die ihm zuerst freundlich jede Auskunft erteilten, im Laufe der Zeit jedoch von anderen Pflichten in Anspruch genommen wurden, die sie mehr als dankend annahmen. In seinem Redeschwall ungebremst traf Ambjorn auf Ansgard. Während des Gespräches kamen sie auf die bevorstehende Schlacht zu sprechen. Ansgard erzählte, welche Aufgaben er in der Sippe hatte und dass er schon lange darüber nachdachte, wie die dicken Mauern von Worms am besten zu überwinden seien. Ambjorn hielt inne und überlegte angestrengt. Schliesslich zog er Ansgard beiseite und berichtete ihm, dass als er noch ein Kind war, seine Mutter immer wieder von seinem Vater erzählte. Als er sie damals verlassen hatte, verlor er ein Blatt Papier.  Auf diesem sei eine Skizze, wie ein Katapult zu fertigen seie, dass aus dicken Eichenhölzern bestehe und mit Gewichten arbeite. Ansgards Neugierde war entbrannt und er bestand darauf die Skizzen zu sehen. Er nahm sie und versank in die Aufzeichnungen. Nach einer geraumen Zeit sprang er begeistert auf um sofort zu Arnulf zu rennen. Außer Atem erreichte er den jungen Jarl. Dieser konnte jedoch dem hektischen Gestammel seines Freundes nichts sinnvolles entnehmen, sodass er ihm erst einmal einen nahe stehenden Becher Wasser ins Gesicht schüttete. Triefend kam Ansgard endlich zur Ruhe und berichtete dem Jarl von den Plänen. Arnulf war sofort interessiert und bat Ansgard sofort mit dem Bau eines dieser Maschinen anzufangen. Hierfür stehen ihm alle Sippenmitglieder zur Verfügung, die nicht dringlicher beschäftigt wären. Arnulf hatte seine Rede noch nicht beendet, da eilte Ansgard schon, das Gesicht tief in dem Pergament, weiter. Er gab ununterbrochen Befehle, an alle Mitglieder die er traf, bis ihm einfiel, dass er noch Werkzeug benötigte. Er wandte sich an den zuständigen Dänen, mit dem er schon gefachsimpelt hatte und dieser gewährte ihm Begeistert die Verfügung über die Geräte, unter der Bedingung mithelfen zu dürfen. Kaum eine halbe Stunde später war das Lager erfüllt von eifrigem Sägen, Hämmern und geschäftigem Treiben. In den nächsten zwei Wochen bekam der Jarl seine Männer und auch die Frauen nur dann zu Gesicht, wenn er zu dem Bauplatz ging. Ansgard beschlagnahmte alles was auch nur einen Hammer heben konnte um möglichst schnell voran zu kommen. Da der dänische Baumeister es ebenso hielt, kam die Arbeit gut voran. Björn Baldursson ließ dies Geschehen, da er den Baumeister kannte und sich seinem Eifer und der allgemeinen Begeisterung nicht entziehen konnte. Die Luft war erfüllt mit dem Geruch von frisch geschlagenem Holz und Sägespänen. Das eifrige Treiben der Männer und Frauen, das Geräusch von gefällten Bäumen, die Laute von dem Spalten der gewaltigen Stämme, sowie die ununterbrochenen Hammerschläge tauchten das Lager in eine Atmosphäre der Betriebsamkeit und gespannter Erwartung, und einer Freude, die die meisten von ihnen schon lange nicht mehr spüren durften.

Am Ende der zweiten Woche kamen Ambjorn, Ansgard, sowie der dänische Baumeister zu den beiden Jarlen die zusammen an den Booten standen. Der Ausdruck in ihren Gesichtern war ein Wechselspiel zwischen Freude, Stolz und der Sorge, ob ihnen das Werk auch wirklich gelungen war. Sie baten die beiden Oberhäupter mit ihnen zu kommen, da das Katapult nun fertig gestellt sei und sie nun seine Wirksamkeit testen wollten. Als Arnulf und Björn an dem Bauplatz eintrafen, waren ihre Sippen schon vollständig vertreten, abgesehen von den Wachtposten. Sie erblickten ein zwei Mann hohes Katapult. Es bestand aus einer großen Lasche für einen Stein, die an einem beweglichen Querbalken befestigt ist. Dieser befindet sich auf einer fahrbaren Haltevorrichtung. An der gegenüberliegenden Seite des Balkens befindet sich ein Korb mit Gegengewichten. Wird die Seite des Balkens an dem sich das Geschoss befindet herunter gezogen und die Gegengewichte in den Korb gelegt, kann wenn das Seil gelöst wird, der Stein abgeschossen werden. Das behaupteten jedenfalls Ansgard, Ambjorn und der Däne. Doch Taten sagen mehr als Worte und so verlangten die beiden Oberhäupter eine Demonstration der Schleuder. Nervös machen sich die drei Bauherren daran alles vorzubereiten und die Menschen dazu zu bewegen einen gewissen Abstand zu dem Ungetüm zu wahren. Die Wikinger und Dänen hielten den Atem an. Die Lichtung war erfüllt von der atemlosen Spannung und der Erwartung. Keiner konnte sich vorstellen, was nun geschehen würde und sie alle hatten mit ihrem Herzblut an der Fertigstellung des Katapultes gearbeitet. Die Wochen der gemeinsamen Arbeit, hatte die beiden Völker näher gebracht und alle waren gespannt auf die Wirkung ihrer gemeinsamen Leistung. Als das Seil durchtrennt wird und der Stein fliegt, übertrifft die Wirkung sogar die Vorstellung der Bauherren. Sie hatten die übergroße Schleuder so ausgerichtet, dass sie auf eine Baumreihe zielte. Das Geschoss durchschlug eine Birke. Die Wucht war so heftig, dass die Holzsplitter in alle Richtungen flogen. Als der erste Schrecken sich gelegt hat, schauen sie zu ihren Jarlen. Als diese begeistert Beifall klatschen, fallen die Erbauer in einen überschwänglichen Freudentanz. Arnulf und Björn beraten sich, wie viele der Katapulte wohl für die Mauern von Worms benötigt werden würden. Sie einigen sich auf fünf Schleudern. Hiernach bedanken sie sich bei Ambjorn für die Pläne und teilen den anderen ihren  Entschluss zum Bau von vier weiteren Katapulten mit. Ansgards Reaktion hierauf bestand auf ungläubigen Staunen, mühsam unterdrückten Freudentränen und einer herzlichen Umarmung Arnulfs und auch Björns die nun ihrerseits einen leicht ungläubigen und irritierten Gesichtsausdruck hatten. Während die beiden Völker die bevorstehende Arbeit aufnahmen, unterrichtete Bjorn Arnulf davon, dass weitere Schiffe aus Dänemark erwartet wurden und ihr Eintreffen nicht mehr lange dauern konnte. Dies war eine sehr gute Nachricht. Lange schon machten sich die Wikinger sorgen über die bevorstehende Schlacht, da sie um die Kampfstärke Worms wussten.

Die Mannen hier am Ufer des Rheins waren zwar gute Krieger, doch das waren die Wikinger auch und sie wurden doch geschlagen. Doch die Ankunft von noch mehr Kriegern, sowie die Katapulte, beruhigten Arnulf und seine Gefährten. Das Glück schien nun auf ihrer Seite zu sein.

Arnulf lag noch mit seiner Frau Solveig in seinem Zelt als lautes Geschrei ihn weckte. Er stürzte kampfbereit aus dem Zelt, doch konnte er erkennen, dass dies Freudenlaute waren, die ihn aus seinem Schlaf rissen. Er stürmte zusammen mit den anderen an das Ufer. Der Anblick ließ ihn und seine Getreuen innehalten. Zehn Dänenschiffe mit stolz geblähten Segeln und wehenden Bannern kamen auf sie zu. Es wurde gewunken, gerufen und gelacht, bis die Schiffe anlegten und die Geschäftigkeit begann. Die Krieger aus Dänemark brauchten nach der langen und anstrengenden Reise nun vor allen Dingen Verpflegung und Ruhe. Am nächsten Morgen trafen sich Arnulf, Björn und der angekommene Jarl Hagen mit ihren engsten Vertrauten und beratschlagten darüber, wann der erste Angriff gegen Worms unternommen werden sollte. Man einigte sich darauf direkt nach der Fertigstellung der Katapulte los zu fahren. Wenn sie den Zeitplan einhalten könnten, würden sie die Christensöhne möglicherweise empfindlicher treffen können. Da die Frauen eine geraume Zeit bei den Christen gelebt hatten, haben sie einige ihrer Bräuche kennengelernt. Hierzu gehört, dass sie nun fasten um sich auf ein Fest vor zu bereiten, an dem ihr Gott stirbt und sie trauern, bis er wieder aus der Hölle aufersteht. Die Frauen wurden, als sie dies erzählten, ausgelacht. Erst als sie mit Nachdruck auf ihre Glaubwürdigkeit bestanden, konnten die Dänen und Wikinger ihnen glauben, dass ihr Gott von einer unberührten Frau geboren, dann getötet und sogar wieder auferstanden ist. Nun war ihnen allen unweigerlich klar, dass die Wormser ein doch sehr verschobenes Weltbild hatten. Einige Stimmen wurden laut, ob es wohl wirklich ehrenhaft wäre Menschen zu töten die ernsthaft glauben, das ein Geist ihnen ein Kind bringt und nicht ihre Lenden. Als die allgemeine Erheiterung abgeebbt war, beschloss man die Verwirrung, der die Wormser anheim gefallen sein mussten, sich zu Nutze zu machen. Wer fastet, ist schwach und wer schwach ist, ist unaufmerksam. Somit war der Zeitpunkt ihrer Abreise festgelegt. Ansgard arbeitete mit seinen Mannen Tag und Nacht, um die Katapulte zu dem beschlossenen Zeitpunkt fertig zu stellen und bald machte die Erschöpfung die Runde unter den fleißigen Männern und Frauen. Doch Aufgeben wollten sie nicht, so wuchs ein Katapult nach dem nächsten aus dem Holz des Waldes ebenso wie der Tag an dem Worms untergehen sollte näher rückte.

Als nun die Katapulte fertig gestellt waren, wurde beschlossen gleich am nächsten Morgen aufzubrechen. Am Abend saßen die Sippen zusammen am Lagerfeuer, jeder seinen Gedanken nachhängend. In Ibn war die Sehnsucht nach seiner Heimat wieder entbrannt, nun da er wieder unter seinen Landsleuten weilte. Er würde seine neue Sippe nicht Verlassen, doch schmerzte ihn die Erinnerung an alte Tage und die Sorge um seine Mutter bemächtigte sich ihm. Er konnte nicht mehr still sitzen, so streifte wieder durch das Lager der Dänen. Gedankenversunken überließ er es seinen Füßen einen Weg zu finden, als ihn plötzlich jemand ansprach. In dem Mann der ihm gegenüber stand, erkannte er einen Nachbarn aus alten Zeiten. Sie begrüßten sich freudig und berichteten sich von den vergangen Abenteuern. Ibns Herz war erfüllt voll Freude als der Däne ihm berichtete, dass es seiner Mutter gut gehe und das Dorf sich um sie kümmern würde. Erleichtert kehrte Ibn zurück zu seiner Sippe ans Feuer. Arnulfs Gedanken kreisten um Worms, der Stadt die ihm den Vater genommen und eine Frau geschenkt hatte. Er fürchtete nicht den Kampf doch schmerzliche Erinnerungen flammten in ihm auf. Als er sich umblickte und die Gesichter der Menschen sah, die ihm lieb und teuer geworden waren, wusste er, dass ob Sieg oder Niederlage, er nicht alleine stehen würde. Ambjorn hingegen konnte den Kampf kaum noch erwarten. Er konnte nicht still sitzen, strich rastlos umher und fand keinen Frieden. Der Gedanke nun endlich an das Ziel seiner jahrelangen Bemühungen zu gelangen, kribbelte in allen Fasern seines Körpers. Er wollte den Mörder seiner Mutter endlich tot sehen, von seiner Hand ermordet. Doch kamen ihm auch betrüblichere Gedanken. Was ist, wenn der Mörder von jemandem anderem getötet wird und was wird danach? Über das „Danach“ hatte er sich noch nie Gedanken gemacht. Natürlich würde er bei der Sippe bleiben, schließlich hatte er sein Wort gegeben, aber welche Aufgabe hätte er, welchen Sinn sein weiteres Leben? Ambjorn beschloss diese Fragen auf zu schieben, bis es Zeit dazu wäre. Solch düsteren Gedanken hingen nicht alle nach. In der Sippe gab es einige, die an der ersten Schlacht um Worms nicht teilnehmen konnten. Diese wollten nun ihren Mut beweisen. Sie dachten wohl auch der möglichen Gefahren, doch die große Anzahl der Dänen und vor allem die Katapulte, ließen diese Gedanken in den Hintergrund treten und der Erwartung und Vorfreude den Vorrang.

Am Morgen des Aufbruchs, wurde das Wenige was noch nicht an Bord der Schiffe war eingepackt und verstaut, die Feuer wurden gelöscht und ihre Spuren verwischt. Der Jarl der Dänen bot den Isländern an auf seinem Schiff dem Untergang Worms entgegen zu segeln. Diese jedoch hielten es für sinnvoller, dass sie den Landweg benutzen, da sie diesen kannten und ebenso schnell vorankommen würden. Arnulf lehnte somit dankend ab, was Bjorn verstehen konnte.

So kam es, dass die Schattenwölfe wieder einmal den Weg gen Worms einschlugen und wie so oft auf sich alleine gestellt waren.

Der Weg war lang und beschwerlich und der Gedanke kurz vor ihrem Ziel von Wormser Truppen aufgerieben zu werden war allgegenwärtig. Als sie vor den Mauern von Worms ankamen, überkam sie ein tiefes Gefühl von Trauer. Trauer über den Verlust der vielen geliebten Menschen und eine tiefe Verbitterung über ihre Niederlage. Doch der Tag des Sieges mochte nun erreicht sein. Von weitem sahen sie die Segel der Dänen sich stolz im Winde blähten, der sie immer näher an ihr Ziel herantrieb. Doch nicht nur die Isländer sahen die mächtigen Schiffe herankommen. Das laute Getöse der Trompeten, die die Wormser Wachen bliesen, zerschnitt die Luft. Sie waren gewarnt. Doch wie von den Wikingern geahnt, waren die Bürger und Krieger der Stadt mit den Feierlichkeiten beschäftigt.

Ein jeder der Bürger war von reger Betriebsamkeit erfüllt, schmückte und verzierte oder setzte sich gerade mit seinen Familie zu dem Male  hin, beteten zu ihrem, noch, toten Gott. Sie waren von diesem Geist dermaßen erfüllt, dass sie nicht einen Gedanken an eine mögliche Gefahr verschwendeten.

Der König über Worms hörte die Trompeten blasen, als er sich gerade zu seinem Mal nieder setzte. Er stürzte zu dem Fenster und starrte fassungslos auf die sich nahenden Schiffen der Dänen, sowie die Krieger vor den Mauern. Solch eine Freveltat hatte er den Wikingern nicht zugetraut! An einem geheiligten Tage Krieg führen zu wollen! Sie hatten ihm schon genug Ärger bereitet. Sie hatten sie zwar in der ersten Schlacht besiegt, aber der Jarlssohn konnte mit Hilfe der Mägde aus Island fliehen. Das hatte seinem Ansehen vor der Bevölkerung schon genug Schaden zugefügt. Und nun dies hier! Der König konnte es nicht fassen. Doch diesmal schwor er sich, würde er diese Heidensöhne in den Boden rammen und ihre Eingeweide eigenhändig den Vögeln zum Fraß vorwerfen. Voll Wut und Zorn gab er die nötigen Befehle und eilte selbst an die Spitze seiner Mannen. Doch der König übersah, blind vor Wut, seinen möglichen Untergang. Die Katapulte! Als er sie gewahrte war es zu spät. Die Dänen feuerten die Katapulte ab und richteten verheerenden Schaden an den viel gerühmten Mauern von Worms an. Doch schlimmer noch als die Schäden an den schützenden Mauern, war die Wirkung der Geschosse auf die Männer. Die Krieger aus Worms hatten diese Waffen noch nie gesehen und wichen erschrocken zurück als sie deren Wirkung gewahrten. Für die Wikinger jedoch war dieser Erfolg ein Zeichen für ihren Sieg. Als sie die zurückweichenden Soldaten erblickten und ihren Angstschweiß auf den Gesichtern sahen, wirkte dies auf sie wie ein fliehendes Wild auf eine Meute ausgehungerter Wölfe. Sie stürzten sich erbarmungslos in die Schlacht. Die Bogenschützen unter Leitung von Eberwin leisteten ganze Arbeit, doch gegen die Wut der geführten Schwerter, waren die Wormser nicht gewappnet. Mit jedem Krieger aus Worms den Arnulf tötete hatte er das Gefühl stärker zu werden und den Stolz seines Vaters leibhaftig zu spüren.

Ambjorn hingegen hielt sich nicht mit einzelnen Kämpfen auf. Er hatte nur Augen für die Wappen der Ritter. Sein einziges Ziel bestand darin den Mördern seiner Mutter zu finden und zu töten. Wie in einem Traum stach er Krieger um Krieger nieder als er plötzlich erstarrte. Dieses Wappen kannte er! Der Muttermörder stand nur wenige Schritte von Ambjorn entfernt, doch konnte dieser sich nicht bewegen. Jede einzelne Faser seines Körpers war gespannt. Mit einem Mal stürzte er auf den verhassten Ritter zu. Ein erbitterter Kampf entbrannte. In einer Atempause schrie Ambjorn den Ritter an und erinnerte ihn somit an sein Vergehen. Dieser konnte sich noch an den Tag erinnern, wusste jedoch nicht, dass er mit Blutrache verfolgt wird. Diese Unaufmerksamkeit nutzte Ambjorn aus. Er tötete den von ihm verzweifelt gesuchten Ritter mit einem Hieb, der diesem sein Haupt vom Rumpf trennte. Ambjorn schrie seine Freude laut hinaus. Doch bei allem Glück das er empfand erinnerte er sich sehr wohl an das Versprechen das er den Isländern gegeben hatte. Er wischte sein Schwert an der Gewandung des Ritters sauber und stürzte sich wieder in den Kampf. Die Wikinger wüteten schrecklich unter den Wormsern und kaum einer konnte den rasenden Schwertern und sirrenden Bögen wiederstehen.  Dieser Tag brachte den Sieg für die Wikinger. Als die Schlacht vorbei war und die Wormser geschlagen, standen die Wikinger in dem Blut der besiegten und jubelten aus vollen Kehlen. Sie konnten ihren Sieg kaum fassen. Für viele von ihnen war dieser Sieg nicht nur eine gewonnene Schlacht, nein, für die Schattenwölfe bedeutete dies viel mehr. Sie hatten lange gelitten und viele Freunde verloren, doch konnten die Söhne und Töchter Odins nun doch wieder triumphieren. In ihrem Siegestaumel, begannen die Wikinger die einst so prachtvolle Stadt zu plündern. Sie nahmen alles mit, was für sie einen Wert besitzen könnte. Die Dänen brachten ihre Beute auf die Schiffe und die Isländer schafften es ihrem Lagerplatz. Am Abend hielten die Wikinger ein großes Siegesgelage an, mit viel Gesang und Met.

 

Am nächsten Morgen, besser gesagt Nachmittag, als die Krieger ausgeschlafen hatten, trafen sich die Schattenwölfe. Arnulf berichtete, dass er diese Sippe weiter führen wolle zu Ehre und Ruhm, und es sei ein jedem frei gestellt nun, da dieses erste Ziel erreicht sei, die Sippe wieder zu verlassen. Ohne ein Wort zu sagen, nahm ein jeder von ihnen seine Waffe und stellte sich vor dem Jarl auf. Sie schlugen mit ihren Schwertern gegen die Schilde und versicherten somit ihrem Jarl erneut ihre Treue, bis die Walküren sie von einem Schlachtfeld heim nach Walhall oder Folkwang bringen würde. Sie beschlossen an ihrem einstigen Lagerplatz eine Siedlung an den Fluten des Rheins zu errichten, dort wo er eine scharfe Biegung machte. Keiner von ihnen, wollte in der Stadt bleiben, die ihnen so viel Ruhm aber auch so viel Leid gebracht hatte. Dieser Boden war für die Odinskinder nicht geeignet.