Die
Morgensonne, die nichts Gutes vorhersagen würde, rötete die Gesichter der
Männer. Ihre Schilde, Schwerter, Äxte und Speere schimmerten golden im
Sonnenlicht. Arne Arvidsson blickte die Mauern von Worms empor. Er spürte,
dass dies seine letzte Schlacht sein würde. Er dachte an seine Heimat,
Island, an sein Heim und seine Frau Tarjen die er zurückließ. Auch sie
spürte, dass Unheil heraufziehen, hatte ihn aber dennoch gehen lassen. Arne
war ein stattlicher Mann, mit einem, für die Wikinger dieser Zeit hohen
Alters von 45 Jahren. Vor dem Beginn der Schlacht herrschte in den Reihen
der Männer atemlose Stille. Arne Arvidsson blickte über die Reihen seiner
Männer, die ihm furchtlos noch in weitere Schlachten folgen würden. Arne
war ein strenger aber gerechter Jarl und so hat er auch seinen Sohn auf
dieses Amt vorbereitet.
Sein Sohn Arnulf Arnesson
stand dicht neben ihm. Ein hoch gewachsener Mann mit langen Haaren. Arnulf
war immer ein wissbegieriger Schüler seines Vaters gewesen, im Umgang mit
Waffen, aber auch in Diplomatie und Kriegsführung. Arne Arvidssons Herz
erfüllte sich mit warmer Zuneigung und großem Stolz auf seinen Sohn. Er
wusste, dass wenn diese Schlacht ihn nach Walhalla bringen würde, er sich
auf ihn verlassen konnte und seine Clan einen guten Führer haben würde.
Neben seinem Sohn standen
zwei Brüder, Berengar Bjornsson und Hakon Bjornsson. Beide waren von guter
Statur und Wesen, die Haare rot wie die Morgensonne.
Der ältere, Berengar war
kräftiger, dafür Hakon größer und so bildeten sie eine fast unüberwindbare
Mauer für alle die sich ihnen in den Weg stellten. Schon früh schulten sich
die Beiden im Kampfe. Vor allem für den Älteren war es schon seit
Kindestagen eine Freude Arnulf zur Seite zu stehen und ihm zu helfen wo er
nur konnte. Für ihn gab es kein Zweifel, dass er nicht von der Seite des
Jarlssohnes weichen würde. Hakon hat diese Einstellung schon früh von seinem
Bruder übernommen. Berengar war für Hakon immer ein Vorbild in Kampfesdingen
gewesen. Doch nicht nur der Kampf und Arnulf verband die beiden Brüder. Sie
überwanden zusammen so manche Gefahren und der eine war immer die
Rückendeckung für den anderen.
Er war froh darüber, dass
die Geschwister mit in den Kampf zogen, da er wusste, dass sie an der Seite
seines Sohnes tapfer ausharren würden und somit den anderen Männern noch
mehr Mut machen konnten.
Während Arne Arvidsson noch
in Gedanken versunken war, spürte er, dass es nun Zeit war, mit dem Angriff
zu beginnen. Die Männer wurden unruhig. Sie hatten den langen ermüdenden Weg
von Island bis hier her hinter sich und nun wollten sie Arbeit für ihre
Waffen. Arne Arvidsson, stieß in das Horn und seine letzte Schlacht begann.
Arnulf
Arnesson, schaute besorgt zu seinem Vater hinüber. Schon in Island war er
ungewohnt still gewesen und unterrichtete ihn fast ohne Pause. Auch er
spürte, dass diese Schlacht ihrer aller Schicksal verändern würde, doch
konnte er die Zeichen der Runen noch nicht so klar deuten, wie seine Vater
oder die in der Heimat zurückgebliebene Mutter.
Doch alle Überlegungen
wurden in dem Augenblick hinfällig als sein Vater der Jarl in sein Horn
stieß und alle Truppen auf Worms zustürmten. Arnulf und sein Vater kämpften
mit den Gebrüdern Bjornsson in der ersten Reihe, wie es die alten Gebräuche
erforderten. Die Schlacht wütete unerbittlich und viele Männer fanden den
Tod. Für Arnulf war es nicht die erste Schlacht, doch als sein Vater von
Pfeilen getroffen zu Boden sank, erstarrte er vor Grauen. Berengar Bjornsson,
der ihm am nächsten stand rettete ihn mit einem gekonnten Schwerthieb, vor
der feindlichen Klinge, doch hatte Arnulf keine Augen dafür. Als sich seine
Erstarrung löste, kämpfte er sich zu seinem Vater durch, doch konnte er ihm
nur noch die Augen schließen.
Arnulf Arnesson war von nun
an der Jarl, doch schien die Schlacht zu deuten, dass er diesen Titel noch
heute verlieren würde. Er rief noch einmal seine Getreuen zusammen um einen
letzten verzweifelten Angriff zu beginnen. Schon nach dem ersten neuerlichen
Vorstoß musste Arnulf erkennen, dass es keinen Sieg geben konnte. Er nahm
das Horn seines Vaters und blies zum Rückzug. Er wollte nicht noch mehr
tapfere Krieger fallen sehen. Arnulf rief ein paar Krieger zu sich und
befahl ihnen die Leiche seines Vaters zu bergen und außer Reichweite zu
bringen .Die Männer flüchteten sich in den nahe gelegenen Wald. Zu spät
erkannten sie, dass dort ein Hinterhalt auf sie lauerte. Sie wehrten sich
mit verzweifelten Kräften, doch konnten nur wenige entkommen. Die Gefangenen
wurden in die Kerker von Worms gebracht. Arnulf Arnesson, Berengar Bjornsson
und Hakon Bjornsson bekamen eine gemeinsame Zelle zugewiesen.
Doch bevor diese Geschichte
weitererzählt werden kann, muss eine andere beginnen.
Sie
beginnt in einem kleinen Dorf in Island. Dort lebten Marada, Ferun und
Solveig. Die jungen Frauen träumten schon seit frühester Kindheit davon fort
zugehen um die Welt zu erkunden, Abenteuer zu bestehen und sich einen Namen
zu machen. Sie wollten nicht nur irgendwann die Frau von irgendeinem Mann
sein, sondern sich selbst beweisen. Die drei Mädchen fühlten, dass es ihnen
nicht vorherbestimmt war, in Ruhe zu leben bis sie alt und grau waren. Sie
wollten kämpfen, um irgendwann von den Walküren nach Folkwang gebracht zu
werden. Dies erfüllte ihre Mütter mit großer Sorge und ihre Väter mit Stolz.
An einem herrlichen
Sommerabend, als die Sonne glutrot unterging, saßen sie auf einem Hügel und
sahen in die Ferne. Ohne Absprache fasste jede von ihnen ihren Entschluss.
Sie trennten sich, gingen nach Hause und packten das Notwendigste. Zur
Verteidigung nahm Marada ihren Kampfstab und Solveig ihre Sachse und eine
Axt mit. Schon früh erkannten ihre Eltern, dass diese Mädchen nicht zur
Feldarbeit und Heimigkeit geboren wurden. Ihre Mütter versuchten jedoch
immer wieder diese ihnen nahe zu bringen. Ihre Väter jedoch erkannten das
Talent ihrer Kinder und unterrichteten sie auch im Kampfe.
Ferun zog es vor ohne Waffen
zu wandern. In diesem Punkt unterschied sie sich von ihren Freundinnen. Sie
wusste, dass sie durch die Gesellschaft ihrer Freundinnen genug beschützt
war. Ferun konnte sich auch ohne eigene Waffen eine gefährliche Gegnerin
sein, wenn man sie nur genug reizte. Ihren Freundinnen nachgebend, nahm sie
jedoch schließlich einen Bogen mit, sodass sie den Beiden im Notfall den
Rücken decken konnte. So versorgt trafen sie sich wieder auf dem Hügel,
blickten noch einmal zurück auf das Dorf das ihre Heimat, aber nicht ihre
Zukunft sein würde. Dann gingen sie gemeinsam los, um eine Welt zu
entdecken, die so vieles mehr zu bieten hat, als das tägliche Einerlei in
einem kleinen Dorf. Doch in dieser wundervollen Welt lauern auch Gefahren.
Die drei jungen Frauen gingen einfach los, ohne auf den Weg zu achten. Durch
diese Unbesorgtheit, bemerkten sie nicht, dass sie verfolgt wurden. Ihr
Verfolger war Baldwin Haredsson, Solveigs jüngerer Bruder. Schon seit
geraumer Zeit bemerkte er eine Veränderung bei seiner Schwester. Obwohl sie
schon des Öfteren davon sprach fort zu gehen und sehnsüchtig nach den
Sternen blickte, wurde ihm bewusst, dass diese Sehnsucht in ihr immer
stärker anwuchs und das der Zeitpunkt ihres Gehens immer näher rückte. Als
Baldwin sich dessen bewusst wurde, traf auch er Vorbereitungen. Seit einigen
Monden schon war er immer bereit für einen übereilten Aufbruch. Schon seit
jungen Kindesjahren fühlte er sich für seine Schwester verantwortlich und
diese Aufgabe nahm er sehr ernst. Baldwin war ein talentierter junger Mann
geworden, der sowohl mit dem Schwerte als auch mit anderem Gerät großes
Geschick bewies. Wie seine Schwester, spürte auch er, dass dieses Dorf nicht
alles in seinem Leben sein konnte. Baldwin wollte die Schlacht erleben und
sich als Mann beweisen. Als er sich eines Abends seinen Eltern anvertraute,
wuchs der Stolz des Vaters auf seine unerschrockenen Kinder, auch die Mutter
konnte sich nicht ganz dem Stolze erwehren, obgleich sie auch voll Sorge war
ihre beiden Kinder in die Welt zu entlassen. Baldwin versuchte die Mutter zu
beruhigen, indem er dieser erklärte, dass er vorhatte bei der Schwester zu
bleiben, um über sie zu wachen. Er war sich bewusst, dass dies im
Verborgenen geschehen musste, da Solveig diese Bewachung niemals wissentlich
zulassen würde. Schließlich kamen sie am Hafen an. Hier galt die erste Hürde
ihrer Reise zu überwinden. Geld genug hatten sie um die Reise zu begehen.
Ihre Eltern waren zwar nicht reich, hatten aber schon früh angefangen, für
die Kinder zu sparen, um ihnen eine gute Zukunft zu sichern. Doch war es
schwer für alleinreisende Frauen einen sicheren Platz auf einem Schiff zu
finden, wo nicht allzu viele Fragen gestellt werden würden, um nicht wieder
nach Hause gebracht zu werden. Auch wäre es nicht klug gewesen den ärmeren
Seeleuten zu bedeuten, dass sie im Besitz von Gold waren.
Doch hatten sie Glück und
konnten auf einem Schiff als Küchenmägde anheuern. Wohin die Reise gehen
sollte, war für sie nicht von Bedeutung und erfuhren erst später, dass
dieses Schiff in Germanien einschiffen würde. Sie hatten schon viel über
dieses Land gehört und der Entschluss in das berühmte Worms zu gehen, war
schnell gefasst. Baldwin musste sich während der gesamten Reise unter Deck
versteckt halten, da er unerkannt bleiben wollte.Im Hafen angekommen suchten
sie sich Pferde und ritten aus in dieses fremde Land. Auf ihrer langen Reise
versuchten sie sich so viel wie möglich von dem Land einzuprägen, auch
lernten die jungen Frauen schnell die Sprache dieses Volkes. Nur zwei Mal
mussten sie sich ihrer Haut gegen Strauchdiebe erwehren, die in ihnen
leichte Beute sahen. Dieser Irrtum kostete einigen von ihnen das Leben und
nicht wenige einen gesunden Arm. Baldwin hielt sich währenddessen in ihrer
Nähe, griff aber nicht ein, da er erkannte, dass die Frauen seiner Hilfe
noch nicht bedürfen. Endlich standen sie vor den Mauern von Worms. Lange
sahen sie zu den Stadtmauern empor, von ihrer Größe beeindruckt. Als sie
sich endlich dazu durchringen konnten einzutreten, wurden sie von der noch
größeren Pracht der Stadt überwältigt.
Der ursprüngliche Plan der
Freundinnen war es, so viele Städte wie möglich zu sehen, doch hatte die
lange Fahrt fast ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht. So sahen sie sich
gezwungen sich irgendwo zu verdingen. Die Mädchen hielten Augen und Ohren
offen und schnell wurde ihnen gewahr, dass das Schloss junge Frauen suchte,
die sich auf die isländische Sprache, sowie der Heilkunst verstanden.
Gemeinsam gingen sie zu dem Schloss, bewarben sich, wollten aber nur
gemeinsam dort bleiben. Da der Stadthalter von den drei jungen, aber weisen
und kämpferischen Frauen beeindruckt war, verdingte er sie als Hofdamen in
seinem Dienste. Lange Jahre dienten sie den Herrschaften von Worms, während
Baldwin sich immer in der Nähe des Schlosses aufhielt und sich als
Zimmermann verdingte. Doch die Abenteuerlust schlief nur, sterben konnte sie
nicht.
Als der Krieg mit den
isländischen Wikingern begann, wollten sie gerne mit ihren Landesgenossen in
die Schlacht ziehen, sahen sich aber durch ihr Wort gebunden. Baldwin wollte
ebenfalls für Island in die Schlacht ziehen, doch hätte dies zur Folge
gehabt, dass er seine Schwester alleine in Worms hätte zurücklassen müssen.
Das konnte er nicht. Auch hatte dieser Krieg zur Folge, dass man sie mit
Argusaugen bewachte und ihre Freiheiten drastisch eingeschränkt wurden.
Schnell wurde ihnen klar, dass wie auch immer der Krieg ausgehen mag, ihre
schönen Tage in Worms gezählt waren. Sie warteten nur auf eine geeignete
Gelegenheit. Als die Schlacht am um Worms eine Atempause machte, hörten die
jungen Mädchen von den anderen Dienern des Schlosses, dass ein junger Jarl
verletzt mit einigen seiner Getreuen in die Verliese von Worms gebracht
wurde. Mutig ließen sie alle Vorsicht außer Acht und baten ihren Lehnsherrn,
die Pflege der Männer übernehmen zu dürfen. Da dieser momentan andere,
vermeintlich dringendere Sorgen hatte, erfüllte er ihnen diese Bitte. So kam
es, dass die Geschichte des jungen Jarls und seiner Getreuen, und der Weg
der jungen Frauen aus Island sich kreuzten und zu einer gemeinsamen Reise
wurde.
Als
Arnulf aufwachte, konnte er sich kaum mehr an seine Gefangennahme erinnern.
Er wusste noch, dass er seine Mannen in ein nahe gelegenes Waldstück führte,
um die Überlebenden in Sicherheit zu bringen. Plötzlich flogen Pfeile und
doppelt so viele Krieger als seine verbleibenden kamen aus dem Dickicht
hervor. Es gab einen kurzen verzweifelten Kampf. Arnulf fasste sich an die
Stirn und fühlte Blut. Er hatte sich gewehrt bis zuletzt. Sie wollten den
jungen Jarl lebend.
Arnulf fühlte sich von
helfenden Händen gestützt und als er sich umsah, gewahrte er Berengar und
Hakon Bjornsson.
Als er getroffen zu Boden
ging, hatten die Brüder sich um ihn gestellt und ihn mit aller Kraft
verteidigt, was auch ihre Wunden bezeugen konnten. Die drei Freunde waren
froh, dass sie nicht jeder für sich eingesperrt wurden, sondern wenigstens
sich gegenseitig noch hatten. Von Berengar erfuhr Arnulf, dass nicht alle
Hoffnung vergebens war, da sich viele der Getreuen tiefer in den Wald
flüchten konnten, da die Wormser Schergen es hauptsächlich auf den Jarl und
seine getreuesten Gefährten konzentriert hatten. Arnulf blickte sich um und
stellte fest, dass Berengar wohl Recht haben musste, da nicht viele der
anderen Zellen belegt waren. Als sie so beisammen saßen und über ihre
derzeitige Situation beratschlagten, hörten sie, wie jemand die Kerkerräume
betrat. Auch verwundete und gefangene Wikinger sind dennoch stolze Wikinger
und so halfen die Brüder Bjornsson ihrem Jarl in eine sitzende aber stolze
Position und stellten sich neben ihn, auch wenn ihnen dies große Mühe
kostete. Sie hatten Soldaten erwartet, die sie zu Verhören oder Schlimmeren
führen würden. Umso überraschter waren sie, als drei junge Frauen ihr
Verlies betraten. Sie hatten Schüsseln mit Wasser, Verbände, Kräuter und
Nahrung mitgebracht. Solveig und Marada betrachteten die gefangenen
Kämpfer. Offensichtlich gefielen sie ihnen. Arnulfs Blick heftete sich an
Solveig, die seinem Blick standhielt. Berengar erging es ebenso bei Marada.
Umso verwundert waren die drei Männer, als Ferun sie plötzlich in
isländischer Sprache mit einem Seitenblick auf ihre beiden Gefährtinnen
lächelnd ansprach. Sie fragte die Männer nach ihren Namen und ihrer
Herkunft. Nachdem Arnulf die erste Verwunderung überwunden hatte, antwortete
er wahrheitsgemäß. Nun begannen die drei Frauen, die Wunden der Krieger zu
versorgen. Der Stadthalter übertrug nun den Frauen auf Dauer die Verpflegung
und Wundpflege der Krieger. Hierbei achtete Solveig, dass sie Arnulf
pflegte, Marada blieb bei Berengar.
Auf dem Siegesbankett
bedienten alle Frauen des Schlosses und somit auch Solveig, Marada und Ferun.
Es fiel Marada und Solveig schwer aufmerksam zu sein, da sie in Gedanken bei
ihren Männern waren. Glücklicherweise war Ferun aufmerksamer und erfuhr so,
dass am übernächsten Tag, zur Belustigung des Volkes, die gefangenen Krieger
hingerichtet werden sollten. Nach dem Bankett trafen sich die Frauen in
ihrem Zimmer und Ferun berichtete aufgeregt die Neuigkeiten. Ihnen wurde
klar, dass sie nun schnell handeln müssten.
Am
folgenden Tag befragten sie beiläufig die Wachen am Tor, nach der Besetzung
auf der Wachmauer. Dabei bekamen sie heraus, dass diese nur spärlich,
bedingt durch das andauernde Fest, besetzt waren. Dieser Umstand kam ihnen
sehr gelegen. Als sie am Abend wieder zu den Gefangenen gebracht wurden,
hatten sie unter ihren weiten Kleidern ihre eigenen, aber auch die Waffen,
die sie aus der Wachstube besorgt hatten dabei. Sie erklärten den Männern,
dass sie heute Nacht mit ihnen aus Worms fliehen wollten, da der Henker
schon bereit stehe. Die Männer waren sehr froh darüber und willigten gerne
ein, die Frauen mit sich zu nehmen.Spät in der Nacht schlichen sich die
Frauen in den Kerker und nahmen der betrunkenen, schlafenden Wache die
Schlüssel ab und gingen zu den Zellen. Nacheinander schlossen sie diese auf
und Arnulf verteilte die Waffen an die anderen Zelleninsassen. Gemeinsam
schlichen sie sich an der betrunkenen Wache vorbei hinaus in den
Burghof.Dort angekommen, verwickelten die Frauen die Wachen in Gespräche und
Versprechungen, während sie von den Isländern lautlos erschlagen wurden. Auf
dem äußeren Ringwall angekommen, befestigten sie ein Seil an einer Zinne und
seilten sich die Mauern herunter. Wieder waren die Männer von den Frauen
überrascht. Sie dachten, dass diese sie nur bei der Flucht behindern würden,
mussten aber schnell feststellen, dass diese auch ganz gut ohne ihre Hilfe
zu Recht kamen. Als sie an dem Burggraben angekommen waren, gewahrten sie
einen jungen Mann der anscheinend auf sie wartete. Groß war die Freude, als
Solveig ihn als ihren Bruder erkannte. Arnulf fand sich schnell bereit, den
jungen Mann mit in sein Gefolge aufzunehmen. Baldwin hatte ebenfalls von der
geplanten Hinrichtung gehört und ihm war klar, dass die Frauen heute Nacht
einen Ausbruchsversuch wagen würden. Während sich die Gefährten austauschten
flog mit einem Male eine Axt dich an ihnen vorbei. Sie sahen ihr nach und
beobachteten, wie diese eine Wache die in die Richtung der Isländer blickte
tötete. Sie zogen kampfbereit die Waffen doch als sie den Axtwerfer
erkannten, regte sich große Freude in ihnen.
Es war Gunnar Svensson
Sture. Arnulf Arnesson kannte den jungen Krieger schon seit langem. Gunnar
Svennson Sture wuchs in dem Dorf auf dessen Jarl Arne Arvidsson war. Sein
Vater Sven Flemming war Schiffsbauer und guter Bekannter des Jarls. Von ihm
erlernte Gunnar schnell dieses Handwerk und erbte dessen Geschick im Umgang
mit dem Holz. Sein Vater war ein kluger Mann und wusste, dass sein Sohn
nicht alleine mit seiner handwerklichen Begabung in der Welt zu Recht käme.
So lehrte er seinem Sohne auch den Umgang mit Waffen, sodass er auch im
Kampfe gerüstet wäre. Als der Jarl beschloss auf Kriegszug zu gehen, wurde
Sven Flemming mit dem Bau der Schiffe beauftragt, mit seinem Sohn als
Gehilfe. Am Vorabend der Abfahrt besuchte Sven Flemming den Jarl und bat ihn
um eine Unterredung. Er bat Arne Arvidsson seinen Sohn Gunnar mit auf die
Reise zu nehmen. Der Jarl stimmte zu, da er hierbei nur Vorteile sah. Gunnar
konnte ihm Notfall das Schiff reparieren und er war ein junger Krieger voll
Mut und Ehrgeiz.
Auf der langen Fahrt nach
Germanien, freundeten sich Arnulf Arnesson und Gunnar Svensson miteinander
an. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und so lernte Gunnar auch die
Gebrüder Bjornsson kennen. Von Arnulf erhielt Gunnar seinen Beinamen Sture,
da er selten nachgab, wenn er sich erstmal etwas in seinen Kopf gesetzt
hatte. Arnulf lächelte bei diesen Gedanken, umarmte den Freund und wies die
anderen an die Leiche der Wache verschwinden zu lassen, sodass sie rasch
weiterziehen könnten. Nachdem sie den Graben durchschwommen hatten,
flüchteten sie zunächst in den Wald. Dort trafen sie auf Verbündete, die
Gunnar mitgebracht hatte und dort auf ihn warteten, Sie kamen als sie die
Nachricht von der geplanten Hinrichtung hörten um die Männer zu befreien.
Als Gunnar die
entgegenkommenden Gefährten erkannte, hieß er ihnen sich zurückzuhalten, um
weniger Aufsehen zu erregen, während er sich zu erkennen geben wolle. Nach
einer kurzen Pause, trieb sie Arnulf wieder zur Eile an, da sie noch lange
nicht in Sicherheit waren. Er hatte vor die Richtung beizubehalten und
Rheinabwärts zu gehen. So hatte er sich mit seinem Vater an jenem
unglückseligen Tag besprochen und er wusste, dass versprengte Truppen sich
dort treffen würden. Während ihrer Wanderschaft berichtete Gunnar, wie es
ihm in der Zwischenzeit ergangen war. Als er erst den Jarl sterben und die
Bedrängnis in die Arnulf geriet sah, war er der Verzweiflung nahe und
handelte wie in Trance. Er versuchte Arnulf zu schützen, vermochte dies aber
nicht. Als der junge Jarl zum Rückzug rief, flüchtete er sich mit einigen
anderen in die Wälder und lief direkt in den Hinterhalt hinein, konnte aber
wie durch ein Wunder entkommen. Mit den anderen Geflohenen beratschlagte er,
was zu tun wäre und schnell war klar, dass sie alles an die Befreiung der
Kameraden setzten mussten. Auf dem Weg nach Worms trafen sie auf eine
Familie und nahmen Frau und Kind als Geisel, um von dem Mann zu erfahren,
was mit den Isländern geschehen sollte. Als dieser berichtete, dass sie
hingerichtet werden sollten, hielt sie nichts mehr. In einer ruhigen Minute,
gesellte sich Gunnar zu Arnulf und berichtete ihm, dass sie den Leichnam
seines Vaters bergen konnten und ihm ein würdiges Begräbnis bereiten
konnten.
Danach setzten sie ihren Weg
fort. Sie waren noch nicht lange gereist, als sie von zwanzig Wormser
Männern überfallen wurden. Brüllend kam ein Krieger ihnen zur Hilfe. Bernulf
Wulfsson geboren und aufgewachsen in Island. Sohn des Wulf Bjornsson,
Waffenmeister des Jarls Arne Arvidsson. Schon mit jungen Jahren begann sein
Vater mit dem Waffentraining des Knaben. Hart und Fordernd ging er mit dem
Knaben zu Werke um ihm das blutige Handwerk auf bestmöglichste Weise
beizubringen. Schließlich sollte er eines Tages die Stellung seines Vaters
an der Seite des Jarls übernehmen.
Mit 18 Sommern sollte
Bernulf seine erste große Schlacht erleben und an der Seite seines Vaters
gen Worms ziehen. Der Jarl hatte gerufen und getreu seiner Erziehung folgte
der junge Recke dem Ruf.
Die Schlacht hielt für ihn
keinen Ruhm bereit. Der Jarl gefallen, sein Sohn vermisst, Bernulfs Vater in
Stücke gehauen und Bernulf selbst auf dem Feld des Blutes durch eine schwere
Kopfwunde für Tod gehalten. Entkräftet und dem Tode nahe schleppte er sich
in einen nahe gelegenen Wald und wurde dort von einem alten Kräuterweib
gefunden, das seine Wunden versorgte und ihn gesund pflegte. Als er wieder
bei Kräften war, half er der Alten zum Dank dafür und schlug ihr soviel
Brennholz das es den ganzen Winter ausreichen würde. Mit einem getöteten
Eber sorgte er für genug Fleisch.
Unruhe und Ungewissheit
zerfraßen sein Herz und das Verlangen herauszufinden was mit seinen
Kameraden geschehen war, trieb ihn weiter. Die Alte wünschte ihm alles Gute
für die Reise. Schild, Ger und Axt waren ihm geblieben und so schritt er
düsterer Stimmung durch das unbekannte fremde Land. Mehr als einmal
begegnete er Wegelagerern und Strauchdieben die in ihm ein Opfer sahen. Er
schickte sie als Sklaven an die Seite seines Vaters auf das sie ihm in
Walhalla dienen mögen. Was von Wert war nahm er an sich, den Rest überlies
er den Raben. So kam es als er eines Tages Schlachtenlärm hörte. Sein Blut
begann zu kochen und der Streit zog ihn magisch an. Welches Vergnügen außer
dem Töten hatte er denn noch in diesem verfluchten Land. Mit gezogener Axt
betrat er den Platz des Kampfes und sein Herz ward wie gefroren vor
entsetzen, sah er doch den jungen Jarl, wie er sich seiner Haut erwehren
musste nur mit einer Handvoll wackeren Männern an seiner Seite und drei
Weibsbildern, die sich an Sachs und Stab versuchten. Gegen eine Übermacht
von zwanzig Wormser Recken. Er rief aus voller Brust den alten Schlachtruf
der Isländer und schleuderte seinen Ger in die Menge der Feinde. Aus Angst,
Freude und Wut um seinen Jarl verfiel er in einen Blutrausch und hieb wie
von Sinnen in die Reihen der Feinde, hob und senkte die Axt in einem
blutigen Bogen, bis kein Feind mehr vermochte den Recken aus Island
standzuhalten.Erschöpft und aus vielen Wunden blutend, fiel er auf die Knie
vor seinem Jarl. Von nun an ward ein neuer Blutseid geschworen und die Treue
zu seinem Herrn besiegelt.
Bei den Frauen die Arnulf
mitführte, entdeckte er eine junge Maid, die ihn sofort magisch anzog. Als
er sah, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte, machte er ihr den Hof. Somit
hatte auch Ferun ihren Krieger gefunden. Nach einigen Tagen erreichten sie
eine kleine Siedlung. Dort trafen sie Ibn Ulfsson wieder der sich mit seiner
Frau Naja ihnen anschloss.
Die
wettergegerbten Küsten Dänemarks übten schon seit frühester Kindheit eine
besondere Faszination auf Ibn Ulfsson aus. Die raue See und die steil
abfallenden, strengen Küsten, spiegelten für ihn auch die Bewohner seines
Landes wieder. Wie sie war auch er ein strenger, von Unrast getriebener
junger Mann. Das kleine Dorf in dem Ibn wohnte, war sehr von den Launen der
Meeresgötter abhängig. Da sie so nahe an der Küste wohnten, bedrohte sie das
ungestüme Meer mit seinen Wellen und Stürmen immer wieder, sorgte aber auch
dafür, dass sie immer genügend zu Essen hatten. Aus diesem Grunde, wurden
auch schon die Kleinsten, mit der Kunst des Fischfanges vertraut gemacht.
Auch die Besänftigung und die Huldigung der für sie wichtigen Götter nahm in
der Erziehung der Kinder einen großen Platz ein. Die Dänen sind jedoch kein
Volk von Bauern und Fischern, sondern gefürchtete Krieger, die immer wieder
auf Fahrt gingen, um andere Dörfer zu überfallen. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass auch Ibn Ulfsson in der Kunst des Schwertkampfes
ausgebildet war. Die Sonne war noch nicht ganz über dem Horizont
aufgegangen, als Ibn Ulfsson schon seinen Platz an der Küste einnahm. Jeden
Morgen vor Sonnenaufgang saß er hier und schaute über die grenzenlose Weite
des Meeres hinweg. Schon seit einigen Wochen, spielte er mit dem Gedanken
fort zu gehen um die Welt zu erkunden, Schlachten zu schlagen und als
vollwertiger Mann zu seiner Sippe zurückzukehren. Am Abend zuvor hatte er
gehört, dass ein Schiff auslaufen würde, um auf eine weitere
Eroberungsfahrt zu gehen. Seinen eigenen Ohren nicht trauend, vernahm er,
dass auch er auf dieses Schiff gehen dürfte, wenn er sich denn schon für so
eine Fahrt bereit fühlen würde.
Für Ibn sollte so ein Traum
in Erfüllung gehen. Er sollte glücklich sein und vor Freude lachen, doch an
diesem Morgen kurz vor dem Aufbruch, überkamen ihn Zweifel.
Sein Vater ist schon vor
langer Zeit in Walhalla eingegangen und hat seinen Platz bei seinen Ahnen
eingenommen. Er würde nun seine Mutter und seine kleine Schwester alleine in
diesem schönen doch unwirtlichen Land zurücklassen müssen. Der junge Mann
wusste, dass die gesamte Sippe sich um seine Familie kümmern würde, doch
konnte er nicht frohen Mutes sein. Als er so in seinen Gedanken versunken
war, hörte er hinter sich Schritte. Ibn musste sich nicht erst umdrehen, um
zu erkennen, wer zu ihm trat. Seine Mutter setzte sich neben ihn und nahm
seine Hand in die Ihrige. Ansberga war eine starke Frau, die ihrem Sohne im
Wesen glich. Ohne ein Wort zu sagen gab sie ihm ein Bündel in die Hand,
küsste ihn auf die Stirne und ging. Ibn Ulfsson schaute ihr lange nach, ehe
er die Kraft fand, das Bündel zu öffnen. Er erkannte die Keule seines Vater
sofort. Sein Schwert wurde mit ihm verbrannt, doch dieses Stück sollte sein
Sohn bekommen, wenn er zu einem Mann herangewachsen war. Ibn wusste nun was
zu tun war. Der junge Ibn Ulfsson machte sich auf den Weg zu dem Anlegeplatz
des Schoners. Die Tage vergingen und sie näherten sich immer weiter der
isländischen Küste. Hier wollten sie Rasten, um ihre Vorräte aufzufrischen.
Als sie das Festland schon fast erreicht hatten, sahen sie ein Schiff, dass
sich ihnen vom Meer her mit hoher Geschwindigkeit näherte.
Ibn konnte nicht erkennen,
was dies zu bedeuten hatte, bis er den Rufen eines älteren Seemannes vernahm
„Die Finnen kommen!“ Sofort stießen sie in das Signalhorn um Hilfe zu
erbitten. Wie es in Island Sitte war, erwartete am Festland der Jarl des
ansässigen Clans Arne Arvidsson mit seinem Sohne und dessen Gefolge,
Berengar und Hakon Björnsson und Gunnar Svensson Sture, die Dänen. Als sie
das Signalhorn vernahmen, und die Finnen erblickten, beeilten sie sich auf
das Schiff des Jarls zu gelangen, um den Freunden zu Hilfe zu eilen. Ibn
erkannte rasch, dass die Hilfe zu spät kommen würde und machte sich zum
Kampfe bereit. Die Finnen wüteten schwer unter der Besatzung der Dänen, doch
konnte sich Ibn Ulfsson seiner Haut tapfer erwehren, bis die Isländer sie
erreicht hatten. Mit vereinten Kräften schafften sie es die Angreifer zu
erschlagen.
Der Jarl der Isländer führte
die wenigen Überlebenden Dänen in sein Dorf um sie zu bewirten und die
Wunden zu versorgen. Ibn Ulfsson wurde auf Grund seines Alters, seinem Sohne
Arnulf Arvidsson anvertraut. Ibn hatte eine Bauchwunde erlitten und so
dauerte es lange, bis er sich von dem Kampf vollständig erholen konnte. Die
Dänen aber mussten so schnell wie irgend möglich zurück zu ihrem Volke, um
sich zu einem Vergeltungsschlag zu rüsten. So kam es, das Ibn Ulfsson bei
den Isländern unter der Obhut des Jarls blieb. Arne Arvidsson war erfreut
darüber, da er Ibn auf dem Schiff kämpfen sah und erkannte, das ein großes
Potential in diesem jungen Mann steckte. Ibn lebte viele Monate lang
glücklich bei diesem Volke und freundete sich schnell mit Arnulf und dessen
Freunden an. Eines Abends, als Thing gehalten wurde, und der Jarl von den
Plänen Worms anzugreifen berichtete, war es für Ibn Ulfsson klar, dass er
mitfahren wollte. Ibn wusste, dass in Arne Arvidsson immer wie einer der
Ihren behandelt hatte, dennoch hatte er in sich die Befürchtung gehegt, dass
er, als Däne, nicht mitfahren durfte. Umso erfreuter war er, dass er direkt
nach dessen Sohne und seinem Gefolge gefragt wurde, ob er für Island kämpfen
und sterben wolle.
Die Schlacht um Worms wurde
erbittert geführt und Ibn Ulfsson tat sein Bestes. Als er sah, dass der Jarl
gefallen war, und Arnulf zum Rückzug blies, rannte er mit den anderen in den
nahe gelegenen Wald. Er sah, wie Arnulf und die Gebrüder Bjornsson gefangen
wurden. Da er verletzt war, konnte er ihnen nicht zu Hilfe eilen, sondern
flüchtete sich in den Wald.
Als
Naja an diesem Morgen erwachte sollte dieser Tag nicht sein wie jeder andere
in ihrer kleinen Siedlung mitten im Wald von Worms, nahe der Grossen
Stadtmauer welche die Hauptstadt wie ein Steinerner Panzer umgab. Ihr Vater,
ein Gutsherr mit Ländereien, und ihre Mutter eine Hausfrau saßen um den
großen Tisch mitten in der Wohnstube und unterhielten sich leise. Als sie
bemerkten das Naja sich ihnen näherte, brachen sie abrupt ihr Gespräch ab.
Dies bemerkte sie und wollte erfahren was geschehen sei. Ihre Eltern klärten
sie darüber auf, das der Stadthalter verkünden lies, das er die Steuern in
diesem Jahre wieder erhöhen lasse und sie keine Ahnung hätten wie sie diese
bezahlen sollen. Die Ernten in diesem Jahr waren durch den harten Winter und
den viel zu heißen Frühling sehr niedrig ausgefallen. Er wisse auch nicht,
wie er seine Familie davon ernähren solle. So sollten noch einige Tage
verstreichen. Eines Tages erreichte ein fahrender Händler ihr Dorf. Dieser
berichtete ihnen von einer Flotte, welche mit den viel gerühmten und
zugleich gefürchteten Mannen aus dem Norden, herauf rudern solle. Diese
Nachricht verbreitete sich rasch in der Siedlung, worüber sich die Bewohner
sehr freuten, weil sie Worms brennen sehen wollten. Naja war ein junges,
fröhliches aber dennoch ein schüchternes Mädchen. Die durch die strenge
Erziehung ihrer Mutter eigentlich eine gute Hausfrau war und somit ihrem
zukünftigen Mann auch eine gute Frau und Mutter sein sollte. Jedoch hatte
sie an solchen Dingen recht wenig Interesse, was sie aber nicht offen
zeigte. Dieses lag mehr in der Handhabung des Bogens ihres Vaters mit dem
sie immer heimlich in dessen Scheune übte, denn ihr Traum war es irgendwann
als Bogenschütze anerkannt zu werden. An einem heißen Tag waren Naja und
ihre Mutter unterwegs um Wasser aus dem Brunnen zu holen. Auf ihrem Heimweg
fanden sie im Wald einen verwundeten Krieger, welcher wie in Trance vor sich
hintorkelte. Naja lief heim um ihren Vater zu holen, welcher mit seinem
Pferd daraufhin in den Wald ritt um den Krieger ins Dorf zu holen. Auf dem
Weg zurück fiel der Verwundete in eine tiefe Ohnmacht. Der Vater befahl Naja
sich um den Fremden zu kümmern und die Wunden zu pflegen, bis er wieder
genesen sei. Dieses war dem jungen Mädchen anfangs nicht recht, konnte sie
doch dadurch ihr Können im Bogenschiessen nicht verbessern. Zumal hatte sie
Angst vor dem Fremden, von welchem sie sich aber andererseits auch angezogen
fühlte. Tage vergingen, die Wunden verheilten rasch, doch der junge Mann lag
immer noch in seiner Ohnmacht. Als Ibn Ulfsson nach langer Zeit auf seinem
Krankenlager wieder erwachte, gewahrte er ein junges Mädchen, das ihn
versorgte. Er sprach sie an, doch sie erschrak sich sehr und rannte aus dem
Zimmer.
Kurze Zeit später kam die
Herrin des Hauses zu ihm, um nach ihm zu sehen. Ibn fragte sie nach dem
Mädchen, das ihn verpflegte und sie sagte, dass ihr Name Naja wäre und sie
sehr schüchtern sei. Ibn brauchte eine geraume Zeit um sich von seinen
Verletzungen zu erholen. Doch ließ er diese Zeit nicht ungenutzt. Die
Tochter des Hauses, Naja, lag ihm sehr am Herzen und er spürte, dass er
nicht ohne sie weiterziehen sollte. Als es ihm besser ging, wollte er sich
dieser Familie erkenntlich zeigen und ging auf die Jagt. Ibn fragte Naja, ob
diese ihn nicht begleiten wolle. Er hatte schon gehört, dass dieses Mädchen
mit dem Bogen geschickt umgehen konnte. Als die beiden im Wald umhergingen,
kamen sie sich immer näher und auf Ibns Anfragen hin, erklärte sich Naja
bereit mit ihm in die Fremde zu ziehen. Auch sie hatte in den vergangenen
Tagen Gefühle für diesen jungen Krieger entwickelt. Gemeinsam gingen sie
zurück zu dem Hause um den Eltern ihren Entschluss mitzuteilen, als sie die
Krieger gewahrten. Als Ibn die Krieger gewahrte, war er zuerst fassungslos
vor Erstaunen, dann jedoch von großer Freude ergriffen. Naja blickte
ängstlich zu ihrem Gefährten auf, der sie sogleich beruhigte. Gemeinsam
gingen sie zu dem Hof von Najas Eltern. Arnulf stellte sich ihnen vor und
erklärte ihnen ihre weiteren Vorhaben. Als Naja den Wunsch äußerte mit den
jungen Kriegern zu ziehen, waren die Eltern zuerst sehr unglücklich darüber.
Nachdem sie jedoch die anderen Frauen gewahrten, konnten sie ihrer Tochter
diese Bitte nicht mehr abschlagen. Schweren Herzens ließen sie ihr einziges
Kind ziehen, doch nicht ohne vorher Ibn das Versprechen abzuringen, sie
immer zu beschützen. Dieses Versprechen gab er ihnen bereitwillig. Zum
Abschied beschrieben sie ihnen noch eine günstige Stelle, um gefahrlos über
den Rhein zu setzen. Arnulf und sein Gefolge machten sich wieder auf den Weg
in ihre ungewisse Zukunft.
Ein Fährmann brachte sie
über den Rhein. Dort waren sie zunächst außer Reichweite für die Wormser
Truppen. Sie beschlossen fürs erste hier zu bleiben und ein Lager
aufzuschlagen. Bei dem Errichten des Lagers trafen zwei Krieger ein. Arnulf
erkannte das Gesicht des Größeren wieder. Es war Ansgard Eldursson. Der Jarl
hatte ihn vor der Schlacht bei den Handwerkern des Öfteren gesehen. Er
begrüßte die beiden Neuankömmlinge höflich und fragte sie, wie sie
hergekommen seien. Ansgard wurde nachdenklich und fing an zu erzählen.
Das
Hämmern der schweren Schmiedewerkzeuge durchdringt die friedliche Stille des
kleinen Dorfes Tilomar im Süden Islands. Die großen, schwieligen Hände des
alten Schmiedes Eldur Erikson bearbeiten das Metal mit einer Leichtigkeit,
die ihr Alter Lügen strafen. Die Schmiede war schon von klein auf seine
Kinderstube gewesen, sodass er ein Meister seiner Zunft wurde. Als ihm seine
treue Frau den Sohn Ansgard Eldurson schenkte, war für ihn klar, dass dieser
Junge, sein Nachfolger werden sollte. Eldur weihte seinen Sohn von frühester
Kindheit an in die Geheimnisse des Schmiedens ein und sah, dass dieser das
Geschick und die Kraft seines Vater geerbt hatte. Der stolze Vater hielt für
einen Augenblick von seiner Arbeit inne und schaute hinüber zu der Esse, die
sein Sohn bediente. Ein kräftiger, stolzer Jüngling war aus ihm geworden und
Ansgard liebte die Arbeit in der Schmiede. Ein flüchtiges Lächeln huschte
über die Züge von Eldur Erikson als er seinen Spross so ansah. Er war Stolz
auf ihn und wusste, dass er ihm nun alles beigebracht hatte, was Ansgard
wissen musste, um in der Welt zu bestehen. Wenn Ansgard dachte, dass ihn
niemand beobachtete, schlich er sich abends in die Schmiede, um mit den
gefertigten Waffen zu üben. Er wusste nicht, dass sein Vater ihm zusah und
wusste, dass er Waffen nicht nur herstellen, sondern auch mit ihnen
umzugehen verstand. Als sich Eldur so besann, wurde ihm andere
Verhaltensweisen seines Vaters klarer. Tief in sich spürte er, dass Ansgard
seine Schmiede nicht übernehmen werden würde. Sein Sohn war ein tapferer
Mann und strebte nach Abenteuer und Heldentaten. Eldur wurde bewusst, dass
er ihn nicht halten konnte und es auch nicht durfte. Er hatte seinen Sohn
zur Tapferkeit und in dem alten Glauben erzogen und so war es auch seine
Pflicht in gehen zu lassen, sodass aus dem Jüngling ein Mann und aus dem
kleinen Schmied ein Krieger werden konnte. Als Eldur Erikson dies bewusst
wurde, zögerte er nicht lange. Er ging zu seinem Sohn und brachte ihm ein
Stück rohen Stahls. An diesem Abend konnte Ansgard Eldurson nicht schlafen,
zu sehr verfolgten ihn die Geschehnisse des vergangenen Tages. Er war gerade
dabei seinen letzten Auftrag zu erfüllen, als sein Vater zu ihm trat und ihm
ein Stück Stahl in die Hand legte. Er sagte, dass er ihm nun all sein Wissen
vermacht habe und es nun an der Zeit sei, eigene Lebenserfahrung zu sammeln.
Sein Vater wies ihn an aus diesem Stück Metall ein Schwert zu Schmieden,
dass hernach ihm gehören sollte. Wenn diese Aufgabe erfüllt sein, so sprach
er weiter, solle er seine Habseligkeiten packen und mit anderen jungen
Männern das nächste Schiff nach Germanien nehmen, um dort seinen Heldenmut
und sein Geschick unter Beweis zu stellen. Bei diesem Gedanken, wurde
Ansgard immer noch schwindelig vor Glück. Schon seit so langer Zeit wünschte
er sich in die Welt zu fahren um mehr zu sehen als die immer langweiligen
Strassen von Tilomar. So lange schon haderte er mit sich, um ein Gespräch
mit seinem Vater zu suchen und so lange schon verwarf er diesen Gedanken
immer wieder, da er wusste, dass dieser ihn als Nachkommen für seine
Schmiede haben wollte. Schmieden, ja schmieden wollte er immer noch. Doch
nicht für immer an demselben Ort. Ansgard erhoffte sich von dieser Reise
nicht nur Abenteuer, nein er erhoffte sich auch neue Arten der Schmiedekunst
kennen zu lernen, um sein Tun noch zu perfektionieren. Von Vorfreude
getrieben, arbeitete er unermüdlich daran, sein Schwert so schnell, aber
auch so gut wie möglich zu erbauen. Nach tagelanger Arbeit betrachtete er
sein Werk und fand es als ansehnlich genug es seinem Vater vorzustellen. Als
Eldur Erikson die Arbeit seines Sohnes in Augenschein nahm, konnte er keine
Mängel feststellen. Ansgard packte das Wenige das er besaß ein und
verabschiedete sich von seiner Familie. An dem Bootsteg waren viele Männer
seines Alters, wie es sein Vater ihm gesagt hatte. Er fand schnell
Gesellschaft und machte sich frohen Mutes auf den Weg in das fremde
Germanien. Ansgard reiste eine Weile umher, verdingte sich bei
einheimischen Schmieden und lernte viel. Als er wieder einmal Arbeit
gefunden hatte, fragte er den Schmiedemeister, woher die
überdurchschnittlich vielen Waffenaufträge kämen.
Als Antwort erhielt er, dass
es das Gerücht gebe, ein Angriff auf Worms seitens der Isländer sei zu
erwarten. Sobald seine Arbeiten getan waren, verabschiedete er sich von dem
Schmied und begann durch die Wälder zu streifen, in der Hoffnung, die
Isländer zu treffen. Er erhoffte sich, dass sie einen schmiedekundigen
Mitstreiter gebrauchen könnten, um mit ihnen in den Krieg zu ziehen. Hier
konnte er auf Ruhm und Ehre hoffen. Es dauerte nicht lange und er traf auf
die isländischen Truppen. Ansgard wurde dem Jarl Arne Arvidsson vorgestellt
und dieser hatte für ihn im Waffenlager genug Arbeit zu vergeben. So kam es,
dass Ansgard Eldursson nicht direkt an der eigentlichen Schlacht teilnehmen
konnte. Als es bekannt wurde, dass Arne Arvidsson gefallen und Arnulf
gefangen genommen wurde, ging er wieder seines Weges. Während er seine Reise
fortsetzte, musste er dennoch immer wieder an den jungen Jarl Arnulf und
dessen Getreuen denken. Ansgard war in dem Lager zwar nur ein Söldner
gewesen, doch hatte der Sohn des Jarls und dessen Gefolgschaft Eindruck auf
ihn gemacht. Er hatte sogar darüber nachgedacht, ganz bei der Sippe zu
bleiben. Ansgard haderte lange mit sich selbst, kam jedoch immer wieder auf
dasselbe Ergebnis. Er musste zurück und versuchen, diesem Clan zu helfen.
Ansgard Eldurson gelangte zurück in die Wälder, in denen sich viele
geflüchtet hatten. Er streifte lange umher, bis er endlich eine vertraute
Stimme vernahm.
Diese
Stimme gehörte zu Eberwin Torkson. Eberwin wuchs als Sohn eines wohlhabenden
Bauern ebenfalls in Tilomar auf. Ansgard und Eberwin kannten sich schon von
Kindesbeinen an und waren über die Jahre gute Freunde geworden. Als Ansgard
auszog um die Welt zu sehen, kam dies für ihn sehr überraschend, sodass er
nur ein kurzes Schreiben für Eberwin hinterlassen konnte, in dem er ihn über
seine Pläne informierte. Als Eberwin diesen Brief las, war er sehr erstaunt
und freute sich sehr für Ansgard. Später am Abend, als Eberwin die Kühe
seines Vaters in die heimischen Stallungen trieb, blickte er hinauf in die
Sterne. Der Brief seines Freundes hatte einen bitteren Nachgeschmack auf
ihn.
Schon früh erkannte er, dass
er nicht für den bäurischen Hof seines Vaters gemacht war. Als Jüngling
erfreute er sich mehr am Würfelspiel als am Eggen und das Zechen reizte ihn
mehr als das Säen im Frühjahr. Dennoch ging er nicht fort wie viele seiner
Freunde es getan hatten als die Abenteuerlust sie packte. Eberwin war nicht
feige, auch scheute er sich nicht die Strapazen dieser Fahrten in Kauf zu
nehmen. Im Gegenteil, die Abenteuerlust brannte in ihm wie ein unlöschbares
Feuer. Nein Angst war es gewiss nicht. Nun vielleicht doch. Allerdings war
es nicht die Angst vor dem Tode oder Schlimmeren. Es war die Sorge, dass der
nächste Winter hart und der Sommer so heiß werden könnte, dass die Äcker
fruchtlos blieben und die Tiere eingehen könnten. Er wusste, dass ein
schlimmes Jahr den Tod eines Bauern und seiner Familie bedeuten konnte, auch
wenn es eine wohlhabende war. Während Eberwin über all dies nachdachte, nahm
er zum wiederholten Male den Brief seines Freundes in die Hände. Als der
helle Mond sich zeigte, konnte man in dem fahlen Licht sehen, dass das
freundliche Gesicht des jungen Mannes tiefe Falten bekam. Eberwin Toresson
hatte einen Entschluss gefasst. Noch in der gleichen Nacht packte er seine
wenigen Habseligkeiten, sowie seine besonderen Schätze. Kräuter und
Räucherwerk, deren Gebrauch er von der liebevollen und wissenden Mutter
lehrte und seinen Bogen, für den er lange gespart hatte, was bei ihm hieß,
dass er einige Wochen lang dem Würfelspiel frönte, bis er ein geeignetes
Exemplar gewonnen hatte. Jetzt da sein Entschluss erstmal gefasst war,
begann er auch sofort ihn in die Tat umzusetzen. Mit seinem Bündel in der
Hand verabschiedete er sich von Vater und Mutter. Die Mutter, die dies schon
voraussah, legte ihm ein von ihr gesegnetes Medaillon um den Hals. Der Vater
konnte den Sohn nicht begreifen. Für Tore Baldursson waren seine Felder und
Tiere alles, wofür es sich zu leben lohnte. Doch als er in das entschlossene
Gesicht seines Sohnes blickte erkannte er, dass alles Reden keinen Sinn mehr
hatte. Er ging wortlos hinaus und sattelte ein Pferd, um es seinem Sohne mit
auf die Reise zu geben. Als Eberwin aufstieg, sah er an der Seite des
Sattels etwas baumeln. Es war das Horn des Vaters, ein Erbstück seines
Hauses. Eberwin Toresson ritt geradewegs zu dem Hafen, an dem
glücklicherweise noch zu dieser Stunde ein Schiff nach Germanien ablegte.
Auf dem Schiff erfuhr er, dass sie unterwegs waren um den Jarl Arne
Arvidsson bei seinem Eroberungskampf gegen Worms beizustehen. Eberwin war es
zufrieden und schaute zuversichtlich in eine Zukunft, die doch so ungewiss
war. In Germanien angekommen, beeilten sich seine Schiffsgefährten und er
sich sehr, möglichst schnell zu dem Kampfgeschehen zu kommen. Doch die
Nornen hatten für Eberwin erst einmal einen anderen Faden gewebt, als den im
Kampfe zu sterben. Sie kamen zu spät. Der Jarl war schon tot und sein Sohn
blies zum Rückzug. Eberwin lieferte sie ein paar kleinere Scharmützel mit
den Gegnern, konnte aber dann in den nahe gelegenen Wald fliehen. Als
Eberwin Toresson alleine im Wald saß und lauthals sein Schicksal verfluchte,
hörte er auf einem einen Mann jubelnd aus den Büschen brechen. Eberwin
wollte gerade sein Schwert zücken, als er sich vor Erstaunen nicht mehr
rühren konnte. Ansgard, tatsächlich Ansgard schoss es ihm durch den Kopf.
Die beiden Kameraden fielen sich in die Arme und waren überwältigt, sich in
dieser trostlosen Stunde wieder zu finden. Nachdem sie sich gegenseitig ihre
Abenteuer berichtet hatten, überlegten sie gemeinsam, wohin ihr Weg sie wohl
nun führen sollte. Da es für Ansgard selbstverständlich war, den Sohn des
Jarls zu suchen und dem Clan beiseite zu stehen, stellte sich für Eberwin
gar keine Frage mehr. Er kam nach Germanien um dem Jarl beizustehen und
diese Pflicht hatte er noch zu erfüllen. Gemeinsam machten sie sich auf die
Suche. Als die Beiden ihre Geschichte beendet hatten, bot ihnen der Jarl an
sich ihrer Sippe anzuschließen, was sie auch gerne taten. Die nächsten Tage
packten sie kräftig mit an, das Lager zu errichten. Arnulf gab die Hoffnung
nicht auf, dass noch mehr tapfere Männer und Frauen zu ihnen finden würden.
Arnulf Arnesson war nun wieder ein Jarl über viele tapfere Krieger und nahm
sich Solveig zur Frau und Berengar entschied sich für Marada. Naja jedoch
fühlte sich von Heimweh ergriffen. Ihr Herz sagte ihr, dass ihre Familie sie
nötiger brauchen würde als Ibn. Schweren Herzens teilte sie der Sippe diese
Entscheidung mit und versprach so häufig wie es ihr nur möglich wäre der
Sippe bei zu stehen. Ibn akzeptierte diesen Entschluss seiner Freundin und
blickte ihr wohl wollend nach.
Auch Ferun entschied sich
dafür weiterhin die Haare offen zu tragen und ohne Mann durch das Leben zu
gehen. Ferun wollte jedoch bei der Sippe bleiben, die ihr zu einer Familie
geworden ist. So kam es, dass die Schattenwölfe gegründet wurden. Ein kleine
Sippe, doch es sollte noch vieles geschehen.
Als
die Krieger zur Ruhe gekommen waren, trat Ibn an Arnulf heran. Ibn
berichtete Arnulf, dass als er Dänemark verließ die Zeichen für einen Krieg
gegen die Wormser offensichtlich war. Es konnte nicht mehr lange dauern.
Als Arnulf dies erfuhr, schickte er unverzüglich Gunnar an die Ufer des
Rheins. Er sollte nach den Schiffen Dänemarks Ausschau halten. Ibn sollte
Recht behalten. Nach weniger als zwei Wochen sah Gunnar in der Ferne die
Fahnen Dänemarks wehen. Er eilte so schnell er konnte in das Lager zurück um
Arnulf die Neuigkeiten zu überbringen. Der Jarl freute sich sehr über diesen
Bericht und hieß seine Getreuen alles zu packen. Schnellstmöglich machte
sich die Sippe auf den Weg zu den Ufern. Sie waren von solcher Erwartung und
Freude erfüllt, sodass sie nicht die Aufmerksamkeit walten ließen, die nötig
gewesen wäre, um ihre Angreifer frühzeitig zu erkennen. Als sie voller
Ungeduld durch die Wälder hasteten, wurden sie von einem Suchtrupp von
Wormser Kämpfern entdeckt, die nach versprengten Feinden Ausschau hielten.
Diese waren in der Überzahl und witterten Ruhm und Ehre für sich, als sie
erkannten, dass diese Gestallten die mutigen Kämpfer waren, die unter Arne
Arvidsson in die Schlacht um Worms zogen. Ihr Angriff war schnell und
gewaltig. Die Wikinger versuchten ihre Frauen zu schützen und sich ihrer
eigenen Haut zu erwehren. So kurz vor dem Zusammentreffen mit möglichen
Verbündeten überfallen zu werden! Das war zuviel für die Krieger. Sie
kämpften mit Wut und Verzweiflung, doch sahen sie sich schon bald
unterlegen. Als Arnulf sich dazu durchrang, die Frauen wegzuschicken und
sich mit seinen Getreuen ein würdevolles Ende zu bereiten, kam ihnen
unvermutete Hilfe zu. Eine Gruppe Wikinger kam aus den Wäldern und stürtzten
sich mit solcher Wut auf die Angreifer, dass diese in ihrem Angriff
stockten. Dies war ihr Todesurteil. Doch auch von den Helfern traten viele
ihren Weg nach Walhalla an, da sie in ihrer Wut unaufmerksam wurden. Von den
Rettern blieben nur noch ein Mann übrig, sowie eine Frau, die nach der
Schlacht aus den Wäldern kam. Der Krieger stellte sich der Sippe als
Föstolfur vor und sein Weib als Snela. Während sie ihre Wunden verbanden
berichtete Föstolfur von ihrer Herkunft. Sie beide stammten aus Island.
Föstolfur war der zweite Sohn eines Bauers und er genoss das Leben auf dem
Hofe. Er fand gefallen an der Arbeit und die Nachbarschaft Snelas
vergrösserte sein Behagen noch. Snela war ebenfalls die Tochter eines Bauern
und lebte in dem benachbarten Hofgut. Der junge Mann war, wie alle Männer
des Dorfes, im Umgang mit dem Schwerte geschult. Mit den Jahren kam die
Abenteuerlust und er wollte von zu Hause fort um für sich Ruhm und Ehre zu
gewinnen. Es kam ihm gelegen, dass der Vater eines Tages von ihm verlangte,
sich eigenes Land zu suchen, um dort mit Snela zu leben, da der Hof einmal
seinem älteren Bruder gehören würde. So kam es, dass er mit Snela und
einigen anderen jungen Männern und ihren Frauen auf ein Schiff ging, um sich
in Germanien einen Platz zum Leben zu suchen. Sie hatten davon gehört, dass
Worms erobert werden sollte und somit mehr als genug Platz für die Wikinger
bereit wäre. Als sie in dem neuen Land ankamen, wussten sie nicht, dass die
Schlacht um Worms geschlagen und verloren war. Die Gruppe wanderte in
Richtung Worms um mit die, vermeintlich, siegreichen Krieger zu feiern, als
sie angegriffen wurden. Die Frauen flüchteten in den Wald, während die
Wikinger kämpften. Föstolfur und die anderen waren siegreich und machten
sich auf die Suche nach ihren Frauen. Als sie auf eine Lichtung gelangten,
sahen sie das Grauen. Einige der Wormser Kämpfer mussten sich während des
Kampfes von der Gruppe entfernt haben um die Frauen zu verfolgen. Sie ließen
ihre Wut an den hilflosen Bauerntöchtern aus und töteten sie qualvoll. Ein
jeder der Kämpfer fand seine Frau, oder das, was die Wormser von ihrer
ehemals stolzen Schönheit übrig gelassen hatten. Föstolfur suchte
verzweifelt seine die er von Herzen liebte. Der Anblick der anderen Frauen
brachte ihn fast um den Verstand, da er befürchten musste, seine Geliebte in
ähnlichem Zustand vorzufinden. Als er an einem alten vom Winde gefällten
Baumstumpf vorübereilte, gewahrte er einen ängstlichen Laut. Er sprang auf
die andere Seite und entdeckte in der Aushöhlung des Stammes eine Frau. Er
erkannte sein Snela erst wenige Augenblicke später, da sie blutverschmiert
und verschmutzt, von Tränen überströmt dort kauerte. Föstolfur schloss sie
in seine Arme und ihm rannen Tränen der Freude und des Schmerzes über den
Zustand seiner Frau über die Wangen. Snela erzählte unter Schluchzen, dass
sie Überfallen worden seine. Die Frauen haben sich tapfer gewehrt, doch
konnten sie diesem Hass nichts entgegensetzen. Sie selbst konnte fliehen,
wohl als einzige. Das Paar kehrte zu den anderen zurück und begruben die
toten mutigen Frauen. Hiernach machten sie sich weiter auf den Weg, im
Schwur vereint jeden Wormser zu töten, der ihnen begegnen würde. Als sie in
Trauer und Hass durch den Wald streiften, hörten sie den Kampfeslärm und
stürmten hinzu.
Nun verstanden die anderen,
den Hass und die Wut mit dem die Retter sich in den Kampf stürzten. Als
Föstolfur und Snela über den Verlauf der Schlacht um Worms und die dänischen
Schiffe hörten, baten sie darum mit die Sippe begleiten zu dürfen, was
freudig gewährt wurde. Die Sippe eilte nun weiter den ankommenden Schiffen
der Dänen entgegen, diesmal jedoch schenkten sie ihrer Umgebung mehr
Beachtung. Als sie an den Ufern des Rheines standen, waren die Dänen gerade
im Begriff anzulegen. Sie gewahrten einander und musterten sich gegenseitig
in wachsenden Misstrauen. Der Jarl der Dänen, Björn Baldursson, war voll
Erstaunen über das Erscheinen der Wikinger. Noch mehr in Verwunderung setzte
es ihn, als er ihren Zustand sah. Er trat auf die jungen Krieger zu und
erkannte unter ihnen Arnulf Arnesson der Sohn seines früheren Freundes,
sowie Ibn Ulfsson, den er als Dänen erkannte. Björn sprach den jungen
Krieger Arnulf an und fragte ihn nach seinem Vater und warum er nicht selbst
zu seinem Empfang gekommen wäre. Als Björn erfuhr, dass die Schlacht
verloren und Arne Arvidsson gefallen war, packte ihn eine unbändige Wut auf
die Wormser und sein Entschluss diese Stadt dem Erdboden gleich zu machen
festigte sich. Die Dänen schlugen währenddessen ihr Lager auf und ihr Jarl
lud die Sippe ein Platz zu nehmen und sich auszuruhen.
Da der Jarl der Dänen mit
Arnulfs Vater eine Freundschaft unterhielt und einer seiner Landsleute bei
dieser Sippe von jungen Männern und Frauen ist, sah er sich in der Pflicht
ihnen zu helfen. Arnulf Arnesson bat Björn, bei ihrem Angriff auf Worms
teilnehmen zu können, um ihre Toten zu rächen und somit ihrer Ehre genüge zu
tun. Diesem Anliegen stimmte der Jarl gerne zu. Unterdessen streifte Ibn in
dem Lager umher, glücklich wieder seine Muttersprache zu sprechen und
Landsleute zu sehen. Die Hoffnung ein bekanntes Gesicht zu sehen, und
vielleicht sogar Auskunft über seine Mutter zu erhalten, blieb jedoch
unerfüllt. Während seines Streifzuges durch das Lager schloss sich ihm
Bernulf an. Er wollte sich ein Bild von seinen neuen Verbündeten machen.
Einfach mit Fremden in eine Schlacht zu ziehen behagte ihm nicht. Als die
beiden jungen Krieger sich das Lager besahen und immer wieder in Gespräche
verwickelt wurden, sahen sie Abseits einen Verschlag mit zwei Wachtposten.
Sie gingen darauf zu und erkannten, dass hier jemand gefangen gehalten
wurde. Bernulf bat die beiden Wachtposten darum, mit diesem Gefangenen
sprechen zu dürfen, was diese ihm jedoch nicht gestatteten. Sie sagten ihm,
er müsse zuerst mit ihrem Jarl sprechen. So machten sich die beiden Freunde
auf den Rückweg, um ihrem Jarl von ihrer Entdeckung zu berichten. Arnulf
fand dies sehr interessant und machte sich mit den Beiden auf den Weg um
Björn Baldursson zu suchen. Dieser berichtete ihnen, dass sie diesen jungen
Mann bei einer Erkundungstour in den Wäldern nicht weit von hier gefunden
hatten. Es stellte sich heraus, dass zur Hälfte römisches Blut in dessen
Adern war und somit nahmen sie ihn gefangen. Sie konnten nicht beurteilen,
ob sie einen Spion vor sich hatten, oder aber einen Mann gleicher Gesinnung,
daher war es sicherer gewesen ihn mit sich zu nehmen. Er konnte ihnen ja
vielleicht noch nützlich sein. Björn konnte die Neugier der jungen Männer
verstehen und gab ihnen die Erlaubnis mit dem Gefangen zu sprechen. Sie
kamen wieder zu dem Verschlag und nun ließen sie die Wachen zu dem gefangen
Mann. Der junge Mann, war von der Reise abgemagert und sein Blick war
verzweifelt. Arnulf stellte sich und seine Begleiter vor und fragte
seinerseits nach dessen Namen. Es dauerte eine geraume Zeit, bis der
verstörte junge Mann den Blick hob und antwortete. Er sei Ambjorn und wie
sie wohl schon wissen würden, war sein Vater ein Römer. Seine Mutter jedoch
sei eine keltische weise Frau gewesen die ihm die Gesetzte der Kelten
gelehrt habe. Seinen Vater habe er nie kennen gelernt. Arnulf fragte ihn,
warum er in diesen unruhigen Zeiten alleine in den Wäldern umherstreift,
anstatt für die eine oder die andere Seite zu kämpfen. Ambjorn antwortete,
dass er daran kein Interesse mehr hatte. Seine Augen zeigten tiefen Schmerz
und Trauer. Ein Mann sei in sein Dorf gekommen als er noch ein Kind war.
Dieser habe seine Mutter getötet während er selbst sich nur mit knapper Not
retten konnte. Seit dem sei er auf der Suche nach dem Muttermörder gewesen.
Ambjorn war seit dem in den Wäldern umher gewandert. Als er in das älter
wurde konnte er einem Mann der ihn angriff, töten und gelangte daher an ein
Schwert. Er brachte sich den Umgang mit Selbigem selbst bei, daher, fügte er
schmunzelnd hinzu, habe er einen recht eigenwilligen Kampfstil. Hin und
wieder besuchte er nahe Städte und verdingte sich in mancherlei Berufen als
Lehrling. Doch immer wenn er dachte, dass er eine Spur zu dem Mörder
gefunden hätte, brach er die Lehre ab und zog weiter. Als die Dänen ihn
aufgriffen hatte er die Gewissheit erlangt, dass der Gesuchte bei der
Schlacht in Worms anzutreffen sei, da dieser ein Ritter gewesen war. Doch
nun da die Wikinger berichteten, dass die Schlacht um Worms schon
stattgefunden hatte, kann er nicht mehr daran glauben, den ruchlosen Mörder
jemals wieder zu finden. Als Arnulf ihm erzählte, dass er und seine
Getreuen bei der Schlacht um Worms dabei gewesen seien, wollte er alles
hören. Die Berichte der drei Männer jedoch konnten ihm nicht weiter helfen.
Da hatte Bernulf die Idee Solveig, Ferun und Marada zu fragen, da diese ja
in Worms gelebt hätten und somit auch mehr Kontakt mit den ansässigen
Rittern hatten. Ambjorns Augen glänzten und er bat die Männer inständig
darum diese Frauen zu ihm zu bringen. Arnulf willigte ein ihm diese Bitte zu
erfüllen. Ibn ging los um die Frauen zu dem Verschlag zu führen. Während
Ambjorn zum Warten verdammt war, musste er immer wieder daran denken, dass
nun vielleicht doch noch der Bluteid Erfüllung finden konnte und somit die
Seele seiner Mutter endlich Ruhe finden könnte.
Nach einiger Zeit, die sich
für Ambjorn wie mehrere Leben anfühlte, kam Ibn mit den drei Frauen zurück.
Ambjorn sprang freudig auf, was ihm jedoch nur Kopfschmerzen einbrachte, da
der Verschlag, selbst für einen halben Römer, etwas zu klein war. Ambjorn
nestelten aufgeregt an seinem Umhängebeutel und zog ein vergilbtes Papier
hervor. Er erklärte den Frauen, dass dies das Wappen des Ritters gewesen
sei, er habe es nie vergessen. Die drei Freundinnen betrachteten es lange.
Ferun kam es bekannt vor und als sie dies sagte, erinnerten sich auch die
anderen Beiden. Der Ritter, dessen Wappen dies sei, erklärten sie, habe an
der Schlacht teilgenommen, kam aber unverletzt wieder zurück. Das würde
bedeuten, dass er bei einem erneuten Angriff wieder Worms verteidigen würde.
Nun war Ambjorn nicht mehr zu halten. Er bestürmte die Isländer ihm zu
helfen frei zu kommen, um seinen Eid zu erfüllen. Im Gegenzug wolle er bei
ihnen bleiben und mit ihnen allen Gefahren trotzen. Arnulf überlegte lange
und entschloss sich, mit Björn Baldursson zu sprechen. Es war immer gut
einen Kämpfer mehr in seinen Reihen zu wissen. Doch zuvor wolle er sich mit
der Sippe beraten. Er empfahl Ambjorn sich zu gedulden und abzuwarten, was
zu erreichen sei. Die Wikinger machte sich auf den Weg zurück ins Lager und
Arnulf rief ein Thing ein. Er berichtete seiner Sippe über den jungen Mann
und fragte, was die anderen davon halten, da es noch nicht bewiesen sei,
dass Ambjorn auf ihrer Seite stehe. Sie beratschlagten lange und kamen zu
dem Entschluss, dass sie es wagen wollten für Ambjorn zu bitten und ihn bei
sich aufzunehmen. In der ersten Zeit, wollten alle ein Auge auf ihn haben,
um rechtzeitig erkennen zu können, ob er der Mann ist, für den er sich
ausgegeben hat. Nun machte sich Arnulf in Begleitung von Berengar, Ibn und
Bernulf auf den Weg zu dem Jarl der Dänen um mit ihm über die Zukunft
Ambjorns zu sprechen. Björn Baldursson hörte sich die Bitte mit Verwunderung
an und wusste nicht so recht, wie er dem entgegnen solle. Da Arnulf ihm
jedoch versicherte, dass Ambjorn ihnen in der kommenden Schlacht eine große
Hilfe werden könnte, entschloss er sich dazu auch diesem Wunsch der jungen
Sippe nachzukommen. Sie waren noch sehr wenige und er konnte verstehen, dass
der junge Arnulf seinem Vater gleichkommen wollte, eine starke Sippe
aufzubauen.
Mit
dieser freudigen Nachricht kamen die drei Freunde zu den anderen ins Lager
zurück. Nachdem sie die anderen von der Aufnahme Ambjorns in Kenntnis
gesetzt hatten, machten sich Arnulf, Ibn und Bernulf wieder einmal auf, um
nun auch Ambjorn selbst hierüber zu informieren. Als sie an den Verschlag
gelangten, waren die Wachen bereits informiert und gingen ihrer Wege.
Ambjorn schien dies zuerst nicht zu registrieren und bestürmte die Isländer
mit Fragen. Als Arnulf dann den Verschlag öffnete, konnte Ambjorn sein Glück
nicht fassen. Er kam heraus und dankte den Männern überschwänglich. Als die
Isländer von dem Redefluss des jungen Mannes überdrüssig wurden, geleiteten
sie ihm zurück in ihr Lager und stellten ihm die anderen vor. Ambjorn
bestürmte sofort wieder die Frauen, die ihm zuerst freundlich jede Auskunft
erteilten, im Laufe der Zeit jedoch von anderen Pflichten in Anspruch
genommen wurden, die sie mehr als dankend annahmen. In seinem Redeschwall
ungebremst traf Ambjorn auf Ansgard. Während des Gespräches kamen sie auf
die bevorstehende Schlacht zu sprechen. Ansgard erzählte, welche Aufgaben er
in der Sippe hatte und dass er schon lange darüber nachdachte, wie die
dicken Mauern von Worms am besten zu überwinden seien. Ambjorn hielt inne
und überlegte angestrengt. Schliesslich zog er Ansgard beiseite und
berichtete ihm, dass als er noch ein Kind war, seine Mutter immer wieder von
seinem Vater erzählte. Als er sie damals verlassen hatte, verlor er ein
Blatt Papier. Auf diesem sei eine Skizze, wie ein Katapult zu fertigen seie,
dass aus dicken Eichenhölzern bestehe und mit Gewichten arbeite. Ansgards
Neugierde war entbrannt und er bestand darauf die Skizzen zu sehen. Er nahm
sie und versank in die Aufzeichnungen. Nach einer geraumen Zeit sprang er
begeistert auf um sofort zu Arnulf zu rennen. Außer Atem erreichte er den
jungen Jarl. Dieser konnte jedoch dem hektischen Gestammel seines Freundes
nichts sinnvolles entnehmen, sodass er ihm erst einmal einen nahe stehenden
Becher Wasser ins Gesicht schüttete. Triefend kam Ansgard endlich zur Ruhe
und berichtete dem Jarl von den Plänen. Arnulf war sofort interessiert und
bat Ansgard sofort mit dem Bau eines dieser Maschinen anzufangen. Hierfür
stehen ihm alle Sippenmitglieder zur Verfügung, die nicht dringlicher
beschäftigt wären. Arnulf hatte seine Rede noch nicht beendet, da eilte
Ansgard schon, das Gesicht tief in dem Pergament, weiter. Er gab
ununterbrochen Befehle, an alle Mitglieder die er traf, bis ihm einfiel,
dass er noch Werkzeug benötigte. Er wandte sich an den zuständigen Dänen,
mit dem er schon gefachsimpelt hatte und dieser gewährte ihm Begeistert die
Verfügung über die Geräte, unter der Bedingung mithelfen zu dürfen. Kaum
eine halbe Stunde später war das Lager erfüllt von eifrigem Sägen, Hämmern
und geschäftigem Treiben. In den nächsten zwei Wochen bekam der Jarl seine
Männer und auch die Frauen nur dann zu Gesicht, wenn er zu dem Bauplatz
ging. Ansgard beschlagnahmte alles was auch nur einen Hammer heben konnte um
möglichst schnell voran zu kommen. Da der dänische Baumeister es ebenso
hielt, kam die Arbeit gut voran. Björn Baldursson ließ dies Geschehen, da er
den Baumeister kannte und sich seinem Eifer und der allgemeinen Begeisterung
nicht entziehen konnte. Die Luft war erfüllt mit dem Geruch von frisch
geschlagenem Holz und Sägespänen. Das eifrige Treiben der Männer und Frauen,
das Geräusch von gefällten Bäumen, die Laute von dem Spalten der gewaltigen
Stämme, sowie die ununterbrochenen Hammerschläge tauchten das Lager in eine
Atmosphäre der Betriebsamkeit und gespannter Erwartung, und einer Freude,
die die meisten von ihnen schon lange nicht mehr spüren durften.
Am Ende der zweiten Woche
kamen Ambjorn, Ansgard, sowie der dänische Baumeister zu den beiden Jarlen
die zusammen an den Booten standen. Der Ausdruck in ihren Gesichtern war ein
Wechselspiel zwischen Freude, Stolz und der Sorge, ob ihnen das Werk auch
wirklich gelungen war. Sie baten die beiden Oberhäupter mit ihnen zu kommen,
da das Katapult nun fertig gestellt sei und sie nun seine Wirksamkeit testen
wollten. Als Arnulf und Björn an dem Bauplatz eintrafen, waren ihre Sippen
schon vollständig vertreten, abgesehen von den Wachtposten. Sie erblickten
ein zwei Mann hohes Katapult. Es bestand aus einer großen Lasche für einen
Stein, die an einem beweglichen Querbalken befestigt ist. Dieser befindet
sich auf einer fahrbaren Haltevorrichtung. An der gegenüberliegenden Seite
des Balkens befindet sich ein Korb mit Gegengewichten. Wird die Seite des
Balkens an dem sich das Geschoss befindet herunter gezogen und die
Gegengewichte in den Korb gelegt, kann wenn das Seil gelöst wird, der Stein
abgeschossen werden. Das behaupteten jedenfalls Ansgard, Ambjorn und der
Däne. Doch Taten sagen mehr als Worte und so verlangten die beiden
Oberhäupter eine Demonstration der Schleuder. Nervös machen sich die drei
Bauherren daran alles vorzubereiten und die Menschen dazu zu bewegen einen
gewissen Abstand zu dem Ungetüm zu wahren. Die Wikinger und Dänen hielten
den Atem an. Die Lichtung war erfüllt von der atemlosen Spannung und der
Erwartung. Keiner konnte sich vorstellen, was nun geschehen würde und sie
alle hatten mit ihrem Herzblut an der Fertigstellung des Katapultes
gearbeitet. Die Wochen der gemeinsamen Arbeit, hatte die beiden Völker näher
gebracht und alle waren gespannt auf die Wirkung ihrer gemeinsamen Leistung.
Als das Seil durchtrennt wird und der Stein fliegt, übertrifft die Wirkung
sogar die Vorstellung der Bauherren. Sie hatten die übergroße Schleuder so
ausgerichtet, dass sie auf eine Baumreihe zielte. Das Geschoss durchschlug
eine Birke. Die Wucht war so heftig, dass die Holzsplitter in alle
Richtungen flogen. Als der erste Schrecken sich gelegt hat, schauen sie zu
ihren Jarlen. Als diese begeistert Beifall klatschen, fallen die Erbauer in
einen überschwänglichen Freudentanz. Arnulf und Björn beraten sich, wie
viele der Katapulte wohl für die Mauern von Worms benötigt werden würden.
Sie einigen sich auf fünf Schleudern. Hiernach bedanken sie sich bei Ambjorn
für die Pläne und teilen den anderen ihren Entschluss zum Bau von vier
weiteren Katapulten mit. Ansgards Reaktion hierauf bestand auf ungläubigen
Staunen, mühsam unterdrückten Freudentränen und einer herzlichen Umarmung
Arnulfs und auch Björns die nun ihrerseits einen leicht ungläubigen und
irritierten Gesichtsausdruck hatten. Während die beiden Völker die
bevorstehende Arbeit aufnahmen, unterrichtete Bjorn Arnulf davon, dass
weitere Schiffe aus Dänemark erwartet wurden und ihr Eintreffen nicht mehr
lange dauern konnte. Dies war eine sehr gute Nachricht. Lange schon machten
sich die Wikinger sorgen über die bevorstehende Schlacht, da sie um die
Kampfstärke Worms wussten.
Die Mannen hier am Ufer des
Rheins waren zwar gute Krieger, doch das waren die Wikinger auch und sie
wurden doch geschlagen. Doch die Ankunft von noch mehr Kriegern, sowie die
Katapulte, beruhigten Arnulf und seine Gefährten. Das Glück schien nun auf
ihrer Seite zu sein.
Arnulf
lag noch mit seiner Frau Solveig in seinem Zelt als lautes Geschrei ihn
weckte. Er stürzte kampfbereit aus dem Zelt, doch konnte er erkennen, dass
dies Freudenlaute waren, die ihn aus seinem Schlaf rissen. Er stürmte
zusammen mit den anderen an das Ufer. Der Anblick ließ ihn und seine
Getreuen innehalten. Zehn Dänenschiffe mit stolz geblähten Segeln und
wehenden Bannern kamen auf sie zu. Es wurde gewunken, gerufen und gelacht,
bis die Schiffe anlegten und die Geschäftigkeit begann. Die Krieger aus
Dänemark brauchten nach der langen und anstrengenden Reise nun vor allen
Dingen Verpflegung und Ruhe. Am nächsten Morgen trafen sich Arnulf, Björn
und der angekommene Jarl Hagen mit ihren engsten Vertrauten und
beratschlagten darüber, wann der erste Angriff gegen Worms unternommen
werden sollte. Man einigte sich darauf direkt nach der Fertigstellung der
Katapulte los zu fahren. Wenn sie den Zeitplan einhalten könnten, würden sie
die Christensöhne möglicherweise empfindlicher treffen können. Da die Frauen
eine geraume Zeit bei den Christen gelebt hatten, haben sie einige ihrer
Bräuche kennengelernt. Hierzu gehört, dass sie nun fasten um sich auf ein
Fest vor zu bereiten, an dem ihr Gott stirbt und sie trauern, bis er wieder
aus der Hölle aufersteht. Die Frauen wurden, als sie dies erzählten,
ausgelacht. Erst als sie mit Nachdruck auf ihre Glaubwürdigkeit bestanden,
konnten die Dänen und Wikinger ihnen glauben, dass ihr Gott von einer
unberührten Frau geboren, dann getötet und sogar wieder auferstanden ist.
Nun war ihnen allen unweigerlich klar, dass die Wormser ein doch sehr
verschobenes Weltbild hatten. Einige Stimmen wurden laut, ob es wohl
wirklich ehrenhaft wäre Menschen zu töten die ernsthaft glauben, das ein
Geist ihnen ein Kind bringt und nicht ihre Lenden. Als die allgemeine
Erheiterung abgeebbt war, beschloss man die Verwirrung, der die Wormser
anheim gefallen sein mussten, sich zu Nutze zu machen. Wer fastet, ist
schwach und wer schwach ist, ist unaufmerksam. Somit war der Zeitpunkt ihrer
Abreise festgelegt. Ansgard arbeitete mit seinen Mannen Tag und Nacht, um
die Katapulte zu dem beschlossenen Zeitpunkt fertig zu stellen und bald
machte die Erschöpfung die Runde unter den fleißigen Männern und Frauen.
Doch Aufgeben wollten sie nicht, so wuchs ein Katapult nach dem nächsten aus
dem Holz des Waldes ebenso wie der Tag an dem Worms untergehen sollte näher
rückte.
Als nun die Katapulte fertig
gestellt waren, wurde beschlossen gleich am nächsten Morgen aufzubrechen. Am
Abend saßen die Sippen zusammen am Lagerfeuer, jeder seinen Gedanken
nachhängend. In Ibn war die Sehnsucht nach seiner Heimat wieder entbrannt,
nun da er wieder unter seinen Landsleuten weilte. Er würde seine neue Sippe
nicht Verlassen, doch schmerzte ihn die Erinnerung an alte Tage und die
Sorge um seine Mutter bemächtigte sich ihm. Er konnte nicht mehr still
sitzen, so streifte wieder durch das Lager der Dänen. Gedankenversunken
überließ er es seinen Füßen einen Weg zu finden, als ihn plötzlich jemand
ansprach. In dem Mann der ihm gegenüber stand, erkannte er einen Nachbarn
aus alten Zeiten. Sie begrüßten sich freudig und berichteten sich von den
vergangen Abenteuern. Ibns Herz war erfüllt voll Freude als der Däne ihm
berichtete, dass es seiner Mutter gut gehe und das Dorf sich um sie kümmern
würde. Erleichtert kehrte Ibn zurück zu seiner Sippe ans Feuer. Arnulfs
Gedanken kreisten um Worms, der Stadt die ihm den Vater genommen und eine
Frau geschenkt hatte. Er fürchtete nicht den Kampf doch schmerzliche
Erinnerungen flammten in ihm auf. Als er sich umblickte und die Gesichter
der Menschen sah, die ihm lieb und teuer geworden waren, wusste er, dass ob
Sieg oder Niederlage, er nicht alleine stehen würde. Ambjorn hingegen konnte
den Kampf kaum noch erwarten. Er konnte nicht still sitzen, strich rastlos
umher und fand keinen Frieden. Der Gedanke nun endlich an das Ziel seiner
jahrelangen Bemühungen zu gelangen, kribbelte in allen Fasern seines
Körpers. Er wollte den Mörder seiner Mutter endlich tot sehen, von seiner
Hand ermordet. Doch kamen ihm auch betrüblichere Gedanken. Was ist, wenn der
Mörder von jemandem anderem getötet wird und was wird danach? Über das
„Danach“ hatte er sich noch nie Gedanken gemacht. Natürlich würde er bei der
Sippe bleiben, schließlich hatte er sein Wort gegeben, aber welche Aufgabe
hätte er, welchen Sinn sein weiteres Leben? Ambjorn beschloss diese Fragen
auf zu schieben, bis es Zeit dazu wäre. Solch düsteren Gedanken hingen nicht
alle nach. In der Sippe gab es einige, die an der ersten Schlacht um Worms
nicht teilnehmen konnten. Diese wollten nun ihren Mut beweisen. Sie dachten
wohl auch der möglichen Gefahren, doch die große Anzahl der Dänen und vor
allem die Katapulte, ließen diese Gedanken in den Hintergrund treten und der
Erwartung und Vorfreude den Vorrang.
Am Morgen des Aufbruchs,
wurde das Wenige was noch nicht an Bord der Schiffe war eingepackt und
verstaut, die Feuer wurden gelöscht und ihre Spuren verwischt. Der Jarl der
Dänen bot den Isländern an auf seinem Schiff dem Untergang Worms entgegen zu
segeln. Diese jedoch hielten es für sinnvoller, dass sie den Landweg
benutzen, da sie diesen kannten und ebenso schnell vorankommen würden.
Arnulf lehnte somit dankend ab, was Bjorn verstehen konnte.
So kam es, dass die
Schattenwölfe wieder einmal den Weg gen Worms einschlugen und wie so oft auf
sich alleine gestellt waren.
Der
Weg war lang und beschwerlich und der Gedanke kurz vor ihrem Ziel von
Wormser Truppen aufgerieben zu werden war allgegenwärtig. Als sie vor den
Mauern von Worms ankamen, überkam sie ein tiefes Gefühl von Trauer. Trauer
über den Verlust der vielen geliebten Menschen und eine tiefe Verbitterung
über ihre Niederlage. Doch der Tag des Sieges mochte nun erreicht sein. Von
weitem sahen sie die Segel der Dänen sich stolz im Winde blähten, der sie
immer näher an ihr Ziel herantrieb. Doch nicht nur die Isländer sahen die
mächtigen Schiffe herankommen. Das laute Getöse der Trompeten, die die
Wormser Wachen bliesen, zerschnitt die Luft. Sie waren gewarnt. Doch wie von
den Wikingern geahnt, waren die Bürger und Krieger der Stadt mit den
Feierlichkeiten beschäftigt.
Ein jeder der Bürger war von
reger Betriebsamkeit erfüllt, schmückte und verzierte oder setzte sich
gerade mit seinen Familie zu dem Male hin, beteten zu ihrem, noch, toten
Gott. Sie waren von diesem Geist dermaßen erfüllt, dass sie nicht einen
Gedanken an eine mögliche Gefahr verschwendeten.
Der König über Worms hörte
die Trompeten blasen, als er sich gerade zu seinem Mal nieder setzte. Er
stürzte zu dem Fenster und starrte fassungslos auf die sich nahenden
Schiffen der Dänen, sowie die Krieger vor den Mauern. Solch eine Freveltat
hatte er den Wikingern nicht zugetraut! An einem geheiligten Tage Krieg
führen zu wollen! Sie hatten ihm schon genug Ärger bereitet. Sie hatten sie
zwar in der ersten Schlacht besiegt, aber der Jarlssohn konnte mit Hilfe der
Mägde aus Island fliehen. Das hatte seinem Ansehen vor der Bevölkerung schon
genug Schaden zugefügt. Und nun dies hier! Der König konnte es nicht fassen.
Doch diesmal schwor er sich, würde er diese Heidensöhne in den Boden rammen
und ihre Eingeweide eigenhändig den Vögeln zum Fraß vorwerfen. Voll Wut und
Zorn gab er die nötigen Befehle und eilte selbst an die Spitze seiner
Mannen. Doch der König übersah, blind vor Wut, seinen möglichen Untergang.
Die Katapulte! Als er sie gewahrte war es zu spät. Die Dänen feuerten die
Katapulte ab und richteten verheerenden Schaden an den viel gerühmten Mauern
von Worms an. Doch schlimmer noch als die Schäden an den schützenden Mauern,
war die Wirkung der Geschosse auf die Männer. Die Krieger aus Worms hatten
diese Waffen noch nie gesehen und wichen erschrocken zurück als sie deren
Wirkung gewahrten. Für die Wikinger jedoch war dieser Erfolg ein Zeichen für
ihren Sieg. Als sie die zurückweichenden Soldaten erblickten und ihren
Angstschweiß auf den Gesichtern sahen, wirkte dies auf sie wie ein
fliehendes Wild auf eine Meute ausgehungerter Wölfe. Sie stürzten sich
erbarmungslos in die Schlacht. Die Bogenschützen unter Leitung von Eberwin
leisteten ganze Arbeit, doch gegen die Wut der geführten Schwerter, waren
die Wormser nicht gewappnet. Mit jedem Krieger aus Worms den Arnulf tötete
hatte er das Gefühl stärker zu werden und den Stolz seines Vaters leibhaftig
zu spüren.
Ambjorn hingegen hielt sich
nicht mit einzelnen Kämpfen auf. Er hatte nur Augen für die Wappen der
Ritter. Sein einziges Ziel bestand darin den Mördern seiner Mutter zu finden
und zu töten. Wie in einem Traum stach er Krieger um Krieger nieder als er
plötzlich erstarrte. Dieses Wappen kannte er! Der Muttermörder stand nur
wenige Schritte von Ambjorn entfernt, doch konnte dieser sich nicht bewegen.
Jede einzelne Faser seines Körpers war gespannt. Mit einem Mal stürzte er
auf den verhassten Ritter zu. Ein erbitterter Kampf entbrannte. In einer
Atempause schrie Ambjorn den Ritter an und erinnerte ihn somit an sein
Vergehen. Dieser konnte sich noch an den Tag erinnern, wusste jedoch nicht,
dass er mit Blutrache verfolgt wird. Diese Unaufmerksamkeit nutzte Ambjorn
aus. Er tötete den von ihm verzweifelt gesuchten Ritter mit einem Hieb, der
diesem sein Haupt vom Rumpf trennte. Ambjorn schrie seine Freude laut
hinaus. Doch bei allem Glück das er empfand erinnerte er sich sehr wohl an
das Versprechen das er den Isländern gegeben hatte. Er wischte sein Schwert
an der Gewandung des Ritters sauber und stürzte sich wieder in den Kampf.
Die Wikinger wüteten schrecklich unter den Wormsern und kaum einer konnte
den rasenden Schwertern und sirrenden Bögen wiederstehen. Dieser Tag
brachte den Sieg für die Wikinger. Als die Schlacht vorbei war und die
Wormser geschlagen, standen die Wikinger in dem Blut der besiegten und
jubelten aus vollen Kehlen. Sie konnten ihren Sieg kaum fassen. Für viele
von ihnen war dieser Sieg nicht nur eine gewonnene Schlacht, nein, für die
Schattenwölfe bedeutete dies viel mehr. Sie hatten lange gelitten und viele
Freunde verloren, doch konnten die Söhne und Töchter Odins nun doch wieder
triumphieren. In ihrem Siegestaumel, begannen die Wikinger die einst so
prachtvolle Stadt zu plündern. Sie nahmen alles mit, was für sie einen Wert
besitzen könnte. Die Dänen brachten ihre Beute auf die Schiffe und die
Isländer schafften es ihrem Lagerplatz. Am Abend hielten die Wikinger ein
großes Siegesgelage an, mit viel Gesang und Met.
Am
nächsten Morgen, besser gesagt Nachmittag, als die Krieger ausgeschlafen
hatten, trafen sich die Schattenwölfe. Arnulf berichtete, dass er diese
Sippe weiter führen wolle zu Ehre und Ruhm, und es sei ein jedem frei
gestellt nun, da dieses erste Ziel erreicht sei, die Sippe wieder zu
verlassen. Ohne ein Wort zu sagen, nahm ein jeder von ihnen seine Waffe und
stellte sich vor dem Jarl auf. Sie schlugen mit ihren Schwertern gegen die
Schilde und versicherten somit ihrem Jarl erneut ihre Treue, bis die
Walküren sie von einem Schlachtfeld heim nach Walhall oder Folkwang bringen
würde. Sie beschlossen an ihrem einstigen Lagerplatz eine Siedlung an den
Fluten des Rheins zu errichten, dort wo er eine scharfe Biegung machte.
Keiner von ihnen, wollte in der Stadt bleiben, die ihnen so viel Ruhm aber
auch so viel Leid gebracht hatte. Dieser Boden war für die Odinskinder nicht
geeignet.